Starwars, das gefährliche Schaf und zwei Lesetipps

Februar 19th, 2010

Wie sagte dereinst Obi Wan Kenobi zu Luke: “Luke, auch Du wirst erkennen, dass die Wahrheit vom persönlichen Standpunkt abhängt.” Da ist viel wahres dran – die Einschätzung einer Situation hängt sehr stark von der jeweiligen Perspektive ab. Im Blog Projektgeschichten ist die Geschichte vom gefährlichen Schaf zu lesen, die das sehr deutlich macht.

Wahrheiten werden gelegentlich auch aus Erfahrungen abgeleitet. Warum Erfahrung auch ein Risiko ist lässt sich auf Guerilla Projektmanagement nachlesen.

Wünsche ein schönes Wochenende.

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(Selbst)Organisation, Vertrauen und die Mathematik der Steuerbarkeit 2 / 2

Februar 17th, 2010

Im vorangegangen Beitrag hatte ich beschrieben, dass in großen Strukturen (Projekte oder Organisationen) der Aufwand bestimmte Parameter zu überwachen sehr schnell ansteigen kann. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus rein kombinatorischen Überlegungen wenn man versucht mögliche Abhängigkeiten und Kausalitätsketten (Was passiert wenn …) zu analysieren. Dieses Phänomen ist in Anwendungen der Systemanalyse wie z.B. der Sicherheitsanalytik wohl bekannt, siehe Literaturhinweis1. Eine naheliegende Lösung die Wechselwirkungen einfach zu ignorieren – so wird es z.B. in der technischen Sicherheitsanalytik tatsächlich gemacht wird – hilft in Projekten nicht weiter. Zumindest hilft es nicht weiter, wenn man die schlechte Erfolgsquote großer Projekte verbessern will2.

Die kombinatorische überproportional mit der Größe des Projektes oder der Organisation wachsende Lawine macht jeden allumfassenden und mikromanagenden Steuerungsansatz zur vergeblichen Sisyphusarbeit. Die Lawine resultiert aus den Abhängigkeiten, die durch das manchmal zwanghafte Erstellen eines Gesamtprojektplans entstehen. Nebenstehende Abbildung veranschaulicht wie in vielen Projekten aus einer definierten Struktur – Arbeitspakete ermittelt, zusammengeführt und zu einem Gesamtplan zusammengebaut werden. Ein weiteres Problem bei dieser Vorgehensweise besteht darin, dass Vogel und Froschperspektive gemischt werden und am Ende niemand richtig mit dem Plan arbeiten kann. Aus dieser Falle gibt es nur ein Entrinnen. Es müssen echte Teilprojekte definiert werden. Ein echtes Teilprojekt unterscheidet sich von einem Pseudo Teilprojekt dadurch dass es für das Gesamtprojekt wie eine Blackbox ist. Es muss lediglich klipp und klar sein, wann das Teilprojekt was an das Gesamtprojekt liefert. Die Arbeitspakete im Inneren des Teilprojektes haben das Gesamtprojekt nicht zu interessieren. Das klingt trivial – aber Hand aufs Herz – wer hat noch nicht erlebt, dass eine Gesamtprojektleitung auf Arbeitspaketebene doch in ein Teilprojekt hineingreift, von Eingriffen aus der Linienorganisation mal ganz zu schweigen. Ich unterstelle, dass es in den meisten großen Projekten an der Tagesordnung ist in die Teilprojekte durchzugreifen. Zum einen ist das ein heute weit verbreiteter Führungsstil, zum anderen fehlt es oft an Vertrauen. Ja – die Gesamtprojektleitung muss den Teilprojektleitern vertrauen, dass sie das Ergebnis liefern, die Teilprojektleiter müssen im Gegenzug ehrliche Aussagen treffen ob und wann sie liefern können.

Hier schließt sich der Kreis zu dem was ich vor einigen Tagen über die Selbstorganisation und das Vertrauen geschrieben habe. Auch der Teilprojektleiter, der ggf. mit einem selbstorganisierten Team arbeitet, darf nicht in den Fehler verfallen mit Mikromanagement die Arbeit seines Teams im Detail steuern zu wollen. Auch er muss sich auf sein Team verlassen, braucht Vertrauen und muss sein Team nach außen ehrlich und authentisch vertreten. Es ist hierbei unerheblich ob wir jetzt von Scrum-Mastern, Product-Ownern oder anderen Rollenbezeichnungen reden. Es geht immer um das Wechselspiel von Vertrauen, Ehrlichkeit und offener Kommunikation und zwar in alle Richtungen und auf allen Ebenen. Wie sich aus nebenstehender Grafik schon erahnen lässt, landen wir bei konsequenter Anwendung dieses Prinzips bei einer Kapselung und letztendlich selbstähnlichen Struktur des Projekts oder der Organisation. Egal welches Team oder welche Ebene wir herausgreifen, es gibt immer eine Gruppe von Menschen, die einen Vertreter in eine andere Gruppe entsenden, Ziele und Anforderungen erhalten und Ergebnisse liefern. Die Gruppen selbst müssen weitgehend selbstorganisiert sein. Wenn sie nicht selbstorganisiert sind benötigen sie wiederum Steuerung von außen und damit landen wir wieder bei der schlecht funktionierenden Gesamtsteuerung. Mit diesem Prinzip lassen sich auch sehr große Projekte oder Organisationen gestalten. Wenn sehr viele Teams am Projekt arbeiten, müssen mehrere “wolkenartige” Vertretergruppen gebildet werden von denen wiederum jede einen Vertreter in eine Vertreter-Vertreter-Gruppe entsendet. Bei jeweils 6 Personen in einem Team lassen sich mit einer Vertreter-Vertreter-Gruppe schon Organisationen mit ca. 250 Personen abbilden (258 = 6 + 6 * 6 + 36 * 6) – das ist für ein Projekt schon eine ganze Menge. Voraussetzung ist aber, dass sich die Gesamtleitung nicht in die Vertreter-Gremien einmischt und diese wiederum sich nicht in die Teamarbeit einmischen.

Das Ganze funktioniert nur wenn die Teilprojekte als “Black Boxes” betrachtet werden und eine ähnliche Größe haben. Die in der Grafik gezeigte Größe der Teams ist zudem nicht zufällig gewählt. Eine Gruppengröße von 4 bis 8 Personen enthält ein hohes Potential, dass sich bei einem konstruktiven Verlauf der Gruppendynamik voll entfalten kann. Größere Gruppen zerfallen wiederum schnell in Untergruppen. Auf welcher Ebene wir im Projekt auch hinschauen sehen wir lediglich eine Gruppe in einer arbeitsfähigen Größe, die jeweils einen Vertreter entsendet. Selbstähnlichkeit pur. Wenn diese Selbstähnlichkeit durchgehalten wird, wächst der Gesamtprojektplan übrigens nur noch linear mit der Größe der Struktur. Für jedes neue Team das hinzukommt wird im übergeordneten Gantt-Diagramm nur ein Balken benötigt.

Die Basis auf der das Ganze funktioniert, ist das Vertrauen. Sobald das Prinzip “Kontrolle ist besser” Einzug hält ufert der Kontrollaufwand wieder exponentiell aus.

Das mag sich alles sehr provozierend oder idealistisch anhören – ist es aber nicht. Dieses Prinzip wird an vielen Stellen angewendet. Beispiel gefällig: Ein Kapitän auf einem Schiff gibt an den Maschinenraum das Kommando “halbe Kraft voraus” , um die Organisation des Maschinenraums künmert er sich nicht. Er kümmert sich auch nicht um den Zustand der Ladung oder den täglichen Schiffsbetrieb. Jedem ist offensichtlich klar, dass er sich darum nicht kümmern darf sonst würde ihm die Kapazität würde seinen eigentlichen Job fehlen. Für die Umsetzung seiner Anforderung im Maschinraum ist z.B. der LI (Leitender Ingenieur) zuständig. Wenn im Maschinenraum ein Problem auftritt, das nicht im Maschinenraum gelöst werden kann trägt der LI das Problem zum Kapitän.

Meine wirklich provozierende Schlussfrage lautet: Warum soll ausgerechnet in Projekten und Organisationen das Durchgreifen durch mehrere Handlungsebenen eine gute Lösung sein.

Dieser Text ist unter Creative Commons BY NC ND (Namensnennung – Nicht Kommerziell – Keine Bearbeitung) lizenziert. Er ist Teil des Buchprojekts “Menschen im Projekt”. Er gehört zum Abschnitt 2C, siehe Mindmap zu Inhalt und Struktur.

  1. Huber, Burgbacher, Biegert: Qualitative Systemanalyse und Computerunterstützte Gefahrenidentifikation (HAZOP) []
  2. Bilanz des Misserfolgs []
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Welches Projektmanagment Tool

Februar 17th, 2010

Bei Stefan Hagen läuft eine Umfrage. Die Frage ist mit wenigen Klicks anonym beantwortet. Die Zwischenergebnisse sind spannend, ich hätte Mindmapping nicht so weit vorne erwartet.

hier gehts zur Blitzumfrage PM Software-Tools

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(Selbst)Organisation, Vertrauen und die Mathematik der Steuerbarkeit 1 / 2

Februar 16th, 2010

Der Titel spannt einen weiten Bogen, der auf den ersten Blick nicht einsichtig erscheinen mag. Über selbstorganisierte Team und die Notwendigkeit des Vertrauens habe ich im Beitrag Selbstorganisation und Menschenbild schon geschrieben. Heute möchte ich den Blick über die Grenzen des Teams hinaus in die Organisation richten.

In nebenstehender Grafik ist eine Organisation visualisiert. Es ist dabei unerheblich ob es sich um ein Organigramm einer Firma, um das eines Großprojektes oder vielleicht um die Darstellung eines komplexen Themas handelt. Die Grafik zeigt lediglich drei unterschiedliche Darstellungen derselben Struktur. Die Darstellung als Baum oder Mindmap sieht auf den ersten Blick organischer und übersichtlicher aus ändert aber nichts an der prinzipiellen Struktur des Gebildes. Die Frage ist wie sich ein solches Gebilde zielgerichtet lenken oder verstehen lässt. Überspitzt formuliert gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Philosophien dies zu versuchen. Über die erste möchte ich heute schreiben.

Nehmen wir an, das Organigramm zeige die Struktur eines großen Projektes. Ein Lenkungs-Ansatz besteht darin einen Gesamtprojektplan flankiert von vielen Teilplänen aufzustellen in dem die notwendigen Aufgaben dokumentiert werden. Ausgedruckt, zusammengeklebt und aufgehängt entstehen meterlange Gantt-Charts und Netzdiagramme. Eine kurze Schätzung um das Ausmaß zu verdeutlichen. Das Organigramm zeigt 31 Einheiten. Unter der Annahme einer Projektlaufzeit von einem Jahr und einer Arbeitspaketlänge von 5 Tagen reden wir hier schon über eine Größenordnung von 1600 Arbeitspaketen. Dass man überhaupt etwas lesen kann sollte jedes Arbeitspaket in einer Größe von 3*0,5 cm ausgedruckt werden. Inkl. der Zwischenräume reden wir hier über einen halben Quadratmeter oder ca. 8 Din A4 Seiten. Da ist durchaus eine realistische Größe ausgedruckter Projektpläne, die die Wände vieler Projekt-(Management)-Büros zieren. Das Steuerungsproblem entsteht aber nicht durch die Größe des Ausdrucks sondern die möglichen Abhängigkeiten der einzelnen Aufgaben. Eine Terminverschiebung in einer Aufgabe kann zu Domino-Effekten führen, die den gesamten Plan gefährden. Nicht umsonst versucht das Projektmanagement kritische Pfade zu identifizieren um ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken zu können. Soweit die Theorie – die Praxis lehrt, dass die Aufgaben den Projektes sich verändern, entsprechend ändern sich die kritischen Pfade. Die inhaltlichen und terminlichen Dominoketten ändern sich ebenfalls. Dies führt zu einem beständigen Bedarf Betrachtung der Abhängigkeiten und an Nachplanungen. Kein Wunder, dass ab einer bestimmten Projektgröße eine(r) oder mehrere Projektmanager (Assistenten) benötigt werden. Reicht dieser Aufwand? Ein kurzer Ausflug in die Mathematik hilft hier weiter.

Angenommen jedes Teilprojekt (oder Thema) enthält eine Aufgaben, die Abhängigkeiten zu Aufgaben in anderen Teilen haben. Ein Durchspielen der möglichen Optionen (Termin über- oder Unterschreitungen, inhaltliche Auswirkungen usw.) ist letztendlich eine kombinatorische Aufgabe. Die Verzögerung im Arbeitspaket Nr. 1 verursacht eine Verzögerung im Paket 2. Dieses kann ggf. die Zeit wieder aufholen, selbst im Plan bleiben, oder selbst eine weitere Verzögerung verursachen. In nebenstehender Grafik ist ein winziger Ausschnitt des kombinatorischen Baums dargestellt. Es gibt erwünschte und unerwünschte Kombinationen. Sicher sind nicht alle Varianten gleich wahrscheinlich und bedürfen in der Praxis der gleichen Aufmerksamkeit. Ein guter Projektleiter mit einem hohen Maß an Erfahrung und Intuition sortiert gedanklich die unwahrscheinlichen Pfade aus. Das Kernproblem bleibt jedoch bestehen: Es ist die Zahl der möglichen Kombinationen. Diese Zahl steigt exponentiell mit der Anzahl der vorhandenen und voneinander abhängigen Aufgaben an. Ohne über die Größe des Exponenten diskutieren zu wollen das exponentielle Wachstum ist das Problem:

Bei einer Vergrößerung eines Projekts und damit einer Erhöhung der Aufgabenzahl wächst der Bedarf an Steuerung, Überwachung, Planung und Kommunikation überproportional.

Diesen wachsenden Bedarf kann die Projektleitung eines großen Projektes letztendlich nie endgültig befriedigen. Hierin liegt meines Erachtens die Ursache der schlechten Erfolgsquote großer Projekte, die sich schon in vielen Studien erwiesen hat. Die Frage, die sich nun stellt, ist folgende: Wie kann der Bedarf an Steuerung, Überwachung und Kommunikation so begrenzt werden, dass er nicht mehr überproportional sondern nur noch linear mit der Größe des Projektes wächst? …

hier gehts zu Teil 2

Dieser Text ist unter Creative Commons BY NC ND (Namensnennung – Nicht Kommerziell – Keine Bearbeitung) lizenziert. Er ist Teil des Buchprojekts “Menschen im Projekt”. Er gehört zum Abschnitt 2C, siehe Mindmap zu Inhalt und Struktur.

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Ein paar Worte zu Nutzungsrechten

Februar 14th, 2010

Ich möchte mit einer kleinen Anekdote beginnen. Ich sitze in einem Besprechungsraum lausche den Ausführungen des Vortragenden. Ein interessanter Vortrag. Auf einer Folie erscheint eine Grafik, die mir sehr vertraut vorkommt – kein Wunder – immerhin hatte ich sie erstellt. Die Situation wird sehr schnell sehr peinlich. Aus dem Auditorium werden Fragen zur Grafik gestellt, die der Vortragende nicht beantworten kann. Schließlich hat er die Grafik geklaut und weiß nur wenig über die Hintergründe wie sie entstanden ist. Ich kann mich dem Gefühl einer gewissen Genugtuung nicht entziehen und denke “so gehts, wenn man Inhalte klaut”.

Die Peinlichkeit in obiger Situation wäre sicher nicht entstanden, wenn auf der Folie ein Hinweis gewesen wäre, dass die Grafik gewissermaßen ein Zitat darstellt. In diesem Falle hätte ich mich gefreut, dass meine Inhalte Wirkung zeigen, der Vortragende hätte auf den Urheber verweisen und so den Fragen aus dem Weg gehen können. Den erfreulicheren Fall habe ich auch schon erlebt, dass in einem Konferenzvortrag unerwartet ein Diagramm (korrekt zitiert) von mir auftauchte. In diesem Fall ergab sich ein guter Anknüpfungspunkt und eine fruchtbare Diskussion. So sollte es sein.

Damit komme ich zu den Lizenzrechten. Die Texte und Grafiken dieses Blogs stehen sofern nicht explizit anders angegegen unter folgenden CC Lizenz:

Creative Commons License

Diese beinhaltet konkret die folgenden Punkte:

  • freie Weitergabe bei Namensnennung
  • keine Bearbeitung
  • keine kommerzielle Verwendung

Zu den beiden ersten Punkten möchte ich ergänzen, dass eine im wissenschaftliche Sinne übliche Zitierung keine Bearbeitung darstellt. Wer selbst schreibt und korrekt zitiert darf sich auch bedienen. Der dritte Punkt sollte klar sein. Eine ungefragte kommerzielle Verwendung der hier veröffentlichten Texte wird ausgeschlossen. An dieser Stelle verstehe ich keinerlei Spaß. Wenn Inhalte dieses Blogs an anderer Stelle ohne explizite Zustimmung kommerziell genutzt werden, werde ich mit entsprechenden Rechtsmitteln vorgehen. Das heißt nicht, dass dies grundsätzlich ausgeschlossen wird, es bedarf aber meiner Zustimmung. Fragen kostet nichts – ungefragt klauen kostet mit Sicherheit.

Noch ein kleiner Hinweis an potentielle “Content-Übernehmer”: Von allen wichtigen Texten existiert eine digital signierte Kopie. Ich kann also jederzeit rechtsverbindlich nachweisen wer von wem abgeschrieben hat – auch für diesen Fall könnte ich eine Anekdote erzählen.

Eigentlich ist es traurig, dass auf diese Punkte so explizit hingewiesen werden muss. Die Einhaltung einer CC-Lizenz sollten schon normale Höflichkeit und Umgangsformen gebieten.

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Minimaldefinition eines Projektes

Februar 11th, 2010

Mit der Frage Wann ist ein Projekt (k)ein Projekt? hatte ich mich vor einiger Zeit schon ausführlicher befasst. Bei der Vorbereitung einer Untersuchung bin ich erneut auf diese Frage gestoßen. Die damals erstellte Mindmap fasst zwar wesentliche Merkmale eines Projektes zusammen liefert aber keine Kriterien, die eine Abgrenzung zu “projektartigen Vorhaben” ermöglichen würde. Über Begriffe lässt sich zwar trefflich streiten und manchem mag dies als Erbsenzählerei erscheinen – für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themen “Projekte / Projektleitung / Projektmanagement” ist eine saubere Abgrenzung der Begriffe jedoch notwendig. In diesem Sinne möchte ich eine Reihe von minimalen Merkmalen nennen, die vorhanden sein sollen um von einem Projekt sprechen zu können. Ein Vorhaben nennen wir dann ein Projekt, wenn es folgende Merkmale aufweist:

  1. ein in Worten beschreibbares Ziel oder Arbeitsergebnis, das in dieser Form noch nicht existiert,
  2. einen Termin an dem mit den Arbeiten begonnen wird,
  3. einen Termin an dem das Arbeitsergebnis vorliegen soll,
  4. mindestens zwei Personen, die zum Arbeitsergebnis beitragen,
  5. sowie mindestens eine weitere Person, an die das Arbeitsergebnis geliefert wird.

Wenn ich beispielsweise für mich selbst etwas programmiere – so schwierig das Problem auch sein mag – ist es kein Projekt, da ich Auftraggeber und Projektmitarbeiter in einer Person wäre. In der IT Branche gibt es gelegentlich Aufträge, die vollständig von einer Person abgearbeitet werden. Solche Aufträge weisen bis auf die Personenzahl (Punkt 4) alle Merkmale eines Projektes auf und erfordern ein straffes Management. Hier handelt es sich aber eher um Selbst-Management als um Projektmanagement, das immer auch einen Aspekt der Koordination verschiedener Mitarbeiter enthält. Auch die W-Fragen des Projektmanagements ergeben erst dann einen Sinn, wenn ein Vorhaben oder Auftrag diese Merkmale aufweist.

Dieser Text ist unter Creative Commons BY NC ND (Namensnennung – Nicht Kommerziell – Keine Bearbeitung) lizenziert. Er ist Teil des Buchprojekts “Menschen im Projekt”. Er gehört zum Abschnitt 3A, siehe Mindmap zu Inhalt und Struktur.

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Seminartermine erstes Halbjahr 2010

Februar 10th, 2010

Zwischen Forschung und praktischer Projektarbeit haben auch die Seminare inzwischen ihren Platz im Terminkalender gefunden. Im ersten Halbjahr 2010 bieten zum Einen das fast schon klassische Faktor Mensch – Seminar an. Zitat aus der Seminarbeschreibung:

Die Erkenntnis, dass dem Faktor Mensch in Projekten große Bedeutung zukommt, ist inzwischen unbestritten. Was steckt aber genau hinter dem Faktor Mensch? Es sind die gruppendynamischen Prozesse, die zwangsläufig in jeder Gruppe ablaufen, deren konstruktiver Verlauf darüber entscheidet ob die Gruppe zum Team werden kann oder nicht. Das Seminar gibt einen Einblick in die Mechanismen des “Faktors Mensch” in Projekten.

Dieses Seminar findet an folgenden Terminen statt:

Neu im Programm ist das Seminar Teamentwicklung und Gruppendynamik für Scrum-Master:

Im agilen Projektmanagement wird dem Team besondere Bedeutung zugemessen. In Scrum wird explizit die Rolle des Scrum-Masters besetzt. Der/die “Scrum-Master” soll das Team unterstützen, Hindernisse beseitigen, gewissermaßen den Weg zum Hochleistungsteam bereiten. Der Scrum-Master wird damit zum Begleiter der Gruppen- bzw. Teamentwicklung und sorgt für den konstruktiven Verlauf der Gruppendynamik. Das Seminar vermittelt die hierzu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Das Seminar findet an folgenden Terminen statt:

Falls Sie Interesse an den Seminarinhalten haben und ggf. eine firmeninterne Schulung oder ein Coaching wünschen fragen Sie einfach nach.

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Selbstorganisation und Menschenbild

Februar 5th, 2010

Dass die Selbstorganisation nicht vom Himmel fällt sondern erarbeitet werden muss, hatte ich schon geschrieben. Arbeit alleine reicht aber nicht, auch die Einstellung muss stimmen. Der Weg zu selbstorganisierten Teams – egal ob man Scrum oder eine andere teamorientierte Arbeitsweise einführt – gelingt nur mit der passenden Einstellung bzw. einen bestimmten Menschenbild.

In einer Diskussion über Führungsstile sagte eine Führungskraft vor kurzem folgenden Satz zu mir: “Das geht alles auch mit Druck”. In gewisser Weise hat er recht, eine Arbeitsgruppe oder Abteilung lässt sich natürlich mit präzisen Handlungsanweisungen, Druck und Drohungen führen. Ob das in Projekten oder bei Entwicklungsarbeiten in denen es auf Kreativität und neue Lösungen ankommt sinnvoll ist, möchte ich jetzt nicht diskutieren. Wichtiger scheint mir die grundlegende Haltung, das Menschenbild, das zu einem solchen Führungsverständnis führt, zu sein. Provozierend formuliert steckt da folgendes Menschenbild dahinter:

  • Mitarbeiter wollen nicht arbeiten und müssen permanent angetrieben werden.
  • Mitarbeiter sind dümmer als die Führungskraft. Deshalb muss die Führungskraft mit konkreten Anweisungen den Arbeitsfortschritt absichern.

Nicht minder provozierend formuliert lautet die Antithese:

  • Mitarbeiter wissen besser als die Führungskraft wie die Probleme zu lösen sind.
  • Mitarbeiter sind grundsätzlich interessiert sich für die Firma und ihre Ziele zu engagieren und wollen lieber sinnvoll arbeiten als faulenzen.

Die Wirklichkeit ist ein wenig komplizierter aber irgendwo zwischen diesen Polen bewegt sich die Einstellung gegenüber den Mitarbeitern. So verlockend Produktivitätssteigerungen durch Selbstorganisation auch klingen mögen, mit einem Menschenbild wie dem zuerst formulierten wird es nie ein echtes selbstorganisiertes Team geben. Nur wer daran glaubt, dass das Team im besten Wissen und Gewissen eine Lösung erarbeitet und dann bereit ist diese Lösung mit zu tragen wird die Früchte der Selbstorganisation ernten können. Dieses Mittragen der Lösung – auch wenn sie im ersten Moment nicht der eigenen Präferenz entspricht – ist die Antwort auf die implizite Vertrauensfrage, die das Team regelmäßig stellt. Wer “Selbstorganisation” nutzen will (z.B. bei einer Einführung von Scrum) muss bereit sein “mitzutragen” auch dann, wenn die Entscheidung des Teams den Eigeninteressen der Führungskraft zuwider läuft. Es gibt nichts Schlimmeres als mit Worten “ja” und mit Taten “nein” zu sagen.

Der Advocatus diaboli fragt nun wie mit politischen Entscheidungen umgegangen werden soll, die ggf. den Entscheidungen des Teams entgegen laufen (könnten). Hier gibt es nur eine Antwort: So früh und so ehrlich wie möglich alle Rahmenbedingungen an das Team kommunizieren. Wenn beispielsweise innerhalb eines Projektes eine Software angeschafft werden muss und auf höherer Ebene hierzu bereits eine Vorentscheidung gefallen ist, muss das Team davon wissen, bevor sie sich selbst mit der Auswahl befassen. Hört sich trivial an ist es aber nicht, ich habe es schon zu oft erlebt, dass wohl überlegte Lösungen mit dem Hinweis auf bereits vorgefasste Entscheidungen wieder gekippt wurden. Kein Team arbeitet gerne für den Mülleimer und eine solche Entscheidung wird von den Mitarbeitern nahezu zwangsläufig als Missachtung Ihrer Arbeit(szeit) betrachtet.

Ohne offene und ehrliche Kommunikation und einer gehörigen Portion Vertrauen in die Mitarbeiter kann Selbstorganisation nicht wachsen.

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Scrum oder die Selbstorganisation fällt nicht vom Himmel

Februar 4th, 2010

Das Scrum-Team arbeitet selbstverantwortlich und selbstorganisiert. Selbstorganisation ist eines der wesentlichen Merkmale eines echten Teams – daran besteht kein Zweifel. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation fällt aber nicht vom Himmel, wenn beschlossen wird “wir machen Scrum” oder die Abteilung in Team umbenannt wird. Diese Fähigkeit muss von der Gruppe hart erarbeitet, geübt und laufend trainiert werden. Ja – es ist wie im Sport. Wenn wir eine Handballmannschaft betrachten ist jedem klar, dass zehn Sportler mit guten individuellen Fähigkeiten noch keine gute Mannschaft ausmachen, die erfolgreich spielt. Es liegt klar auf der Hand, dass der Trainer die harte Aufgabe hat aus den Individualisten eine Mannschaft zu machen, die dann irgendwann auf dem Feld steht und bei kritischen Spielständen selbst dafür sorgen kann, dass sie zum Erfolg kommt. Wie beschränkt der Einfluss des Trainers im laufenden Spiel ist, erkennt man oft daran wie verzweifelt die Trainer auf und ab rennen wenn die Mannschaft nicht das umsetzt was sich der Trainer ausdenkt.

Ein Scrum-Master hat einen ähnlichen Job wie ein Handballtrainer. Er oder sie muss den Haufen von Spezialisten dazu bringen als Team zu agieren und durch laufendes Training dafür sorgen, dass die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Genau! – es geht um Erhaltung und nicht um Steigerung. Die Leistungsfähigkeit jedes Teams wird von alleine schlechter – es ist genauso wie bei einer Handballmannschaft ohne Trainer, die Spielpraxis kann eine gewisse Zeit die sich verschlechternde Kommunikation und das Einschleifen schlechter Gewohnheiten verlangsamen, langfristig geht es aber nicht ohne Training.

Noch ein paar Wort zur Leistungssteigerung oder gar zum Leistungsdruck: Ein echtes Team arbeitet um Größenordnungen effizienter als eine zusammengewürfelte Gruppe oder ein “zerstrittener Haufen”. Wenn die Teamarbeit ins Laufen kommt entsteht das “Wir-Gefühl”, der Teamgeist, der ein Gefühl der Verpflichtung mitbringt. Dieses Gefühl der Verpflichtung lässt den Einzelnen die persönlichen Bedürfnisse hinten an stellen. Mit dem Erfolg kommt als Belohnung das Gefühl der kollektiven Euphorie. Das ist wichtig und manchmal notwendig. Das Wechselspiel aus Verpflichtung und Euphorie darf aber nicht zum Dauermotor der Arbeit werden sonst besteht die Gefahr des Ausbrennens. Hier steht der Scrum-Master in der Pflicht dieses zu verhindern. Diese Aufgabe ist doppelt schwer, weil ein rennendes Team sich gelegentlich selbst überfordert. Auf der anderen Seite wird gelegentlich von Seiten der Organisation Druck aufgebaut um Hochleistungsteams noch weiter zu treiben und auszubeuten. Der Scrum-Master steht dazwischen. Der / die Scrum-Master ist also nicht nur Hebamme der Selbstorganisation sondern manchmal auch großer Bruder oder große Schwester, die das Team beschützen.

Noch einmal zurück zum Handballsport, den ich als ehemaliger Spieler und Trainer immer noch verfolge. Die deutsche Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren große Erfolge gefeiert. Erfolge, die teilweise mit ersatzgeschwächten Mannschaftsaufstellungen erzielt wurden. Der Teamgeist hat hier unglaublich viel kompensiert aber irgendwann kollabiert das Verpflichtungs-Euphorie-System. Die Euphorie kann nicht ewig den Verbrauch der Substanz kompensieren – das enttäuschende Abschneiden bei der letzten Europameisterschaft kann man durchaus als Ausbrennen des Teams deuten.

In Kürze noch einmal die wichtigsten Punkte als Zusammenfassung. Diese Punkte gelten nicht nur für Scrum sondern für alle Organisationsformen, die auf selbstorganisierte Teams setzen:

  • Selbstorganisation muss erarbeitet, geübt und erhalten werden.
  • Selbstorgansierte Teams brauchen Trainer.
  • Trainer benötigen eine andere Ausbildung als Teammember
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(Daten)-Design und Datenschutz

Februar 3rd, 2010

In den letzten Tagen hat sich hier das Design ein wenig verändert um mehr Platz für Navigationselemente zu schaffen. Die eigentlichen Änderungen sind jedoch grundlegenderer Natur und betreffen den Datenschutz.

Ich betrachte die ausufernde, von verschiedenen Motivationen getriebene Datensammelwut im Internet, zunehmend kritisch. Das simple Zählen der Leser gehört längst der Vergangenheit an. Werbeeinblendungen, Bewertungstools, Partnerprogramme, zentrale Spamabwehr, Google Analytics, VG Wort, Blog Rankings und Counter … jedes dieser Features hinterlässt Spuren in Form von Cookies und Protokolleinträgen bei den Betreibern der Tools. Genau genommen, müsste in der Datenschutzerklärung jedes der verwendeten Systeme aufgeführt und die mögliche Verwendung der Daten dokumentiert werden. Angesichts der verwinkelten AGB der Betreiber ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.

Angesichts der Tatsache, dass die sichersten Daten diejenigen sind, die nicht gespeichert werden, beschränken wir uns künftig auf das absolute Minimum und verzichten auf sämtliche Dienste, die Daten außerhalb dieses Blogs speichern. Noch vorhandene Zählmarken der VG Wort, bzw. Amazon Partner Links werden in den nächsten Tagen ausgebaut. Details zur verbleibenden Speicherung von Daten finden sich in der aktualisierten Datenschutzerklärung.

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