Menschen statt Faktor Mensch

In den Schlagworten des Blogs gab es bisher den Begriff “Faktor Mensch”. Dieses Schlagwort heißt ab heute “Menschen”. Auch wenn der “Faktor Mensch” ein häufig gebrauchter Begriff ist und eng mit der teamorientierten Projektleitung zusammenhängt, so hat er doch eine Nebenbedeutung, die ggf. in die Irre führt. In der Betrachtung von Projekten wird gelegentlich mit einer resignierten Erkenntnis vom Faktor Mensch gesprochen, den man nicht in den Griff bekommen habe. Wenn das Projekt an Konflikten und Auseinandersetzungen leidet heißt es gelegentlich es “menschelt”. Diese Aussagen sind zwar nicht falsch gehören aber zu einem anderen Blickwinkel.

Menschen statt Faktor MenschÜberspitzt formuliert lässt sich ein Projekt entweder als Prozess oder als sinnhafte Aufgabe für ein Team auffassen. Aus der Prozesssicht ist ein Projekt ein Vorgang mit klaren Zielparametern und vorgeschriebenen Abläufen und Teilschritten, in dem die Projektmitarbeiter ihre definierten Aufgaben erledigen. Wenn es zu “menscheln” beginnt kommt der Ablauf ins Stocken, der Output =Projektergebnis) wird gefährdet. Der Faktor Mensch ist in dieser Betrachtungsweise eher ein Störfaktor. Die andere Sicht rückt die Menschen, die Mitarbeiter ins Zentrum. Sie sind es, die die (meist) schwierige Aufgabe lösen müssen. Werkzeuge und Prozesse, ggf. projektspezifisch modifiziert, sind zur Unterstützung wichtig sind aber kein Selbstzweck. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und muss für jedes Projekt neu gefunden werden. Entscheidend ist die Wahl der Blickrichtung. Der im agilen Manifest enthaltene Satz “Individuals and interactions over processes and tools” beschreibt letztendlich die eine Blickrichtung, deren Ausgangspunkt die Menschen sind. Diese Blickrichtung, die bei den Menschen beginnt, ist auch die Grundlage der teamorientierten Projektleitung.

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Österliche Traditionen und sozial verantwortliches Unternehmertum

Eine der vielen nichtkirchlichen, österlichen Traditionen ist das Tragen neuer Kleidung1. Um neue Kleider geht es auch bei manomama. Manomama ist ein Textilunternehmen, das sich auf die Fahne geschrieben hat, sozial verantwortlich Ökomode zu produzieren. Auf dem Unternehmensblog lässt sich viel über die Startphase des Unternehmens nachlesen. Die Beschaffung der Rohmaterialen und der Maschinenausstattung sind schon spannend genug, es ist faszinierend zu sehen an was alles gedacht wurde – mir war zum Beispiel neu wie schwer es sein kann Faden zu beschaffen. Die Infrastruktur eines Unternehmens ist aber nur ein Teil. Viel wichtiger sind die Menschen, die für die Idee kämpfen und arbeiten. Die Idee der Menschen, die in die Produkte fließen, zeugen von Identifikation und Begeisterung. Eine Idee hat es mir besonders angetan: “Kinderkleidung die mitwächst” d.h. hier wird bewusst zu Gunsten nachhaltiger Produkte mit langer Lebensdauer auf stückzahlenbasierenden Umsatz verzichtet. Nachhaltigkeit, Lebensdauer, Regionalisierung und das Potential der Menschen sind die Bausteine für dieses Unternehmen. In einem Interview sagt die Gründerin Sina Trinkwalder auf die Frage wie die Ökonomie der Zukunft aussehen könne: “Es wird eine Ökonomie der kurzen Wege und der regionalen Identitäten sein”. Das könnte eine gute Antwort auf den Globalisierungswahn werden. Ich hoffe, dass noch viele mehr solcher Keime entstehen, die einen Neuaufbruch ermöglichen.

Mit dem Neuaufbruch schließt sich auch der Kreis zu Ostern, Ostern ist das Symbol für Neuaufbruch. Wir wünschen alle unseren Lesern ein frohes und inspirierendes Osterfest.

  1. “Also significant of a new beginning are the new clothes often purchased for children for the Easter celebration. The practice many times was recalled from the mothers’ own childhoods. New clothes are symbolic of renewal in general,” observes Cindy Dell Clark, Flights of Fancy, Leaps of Faith: Children’s Myths in Contemporary America (University of Chicago Press), 1998:97; also briefly noted in Iona Archibald Opie and Moira Tatem, eds. A Dictionary of Superstitions, (Oxford University Pres) 1989, s.v. “Easter”; in Stephen Roud and Jennifer Westwood, The Penguin Guide to the Superstitions of Britain and Ireland, 2003, s.v. “clothes: new, blessing” []
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Von Projekten, Risiken und Seereisen (reload)

Erstens: Sie sind nicht immer lustig. Zweitens: Eine Seereise liefert schöne Analogien zum Risikomanagement ;-)

Die Neuartigkeit eines Projekts enthält zwangsläufig unbekannte Faktoren, die sich zu Risiken entwickeln können. Ein zu Beginn des Projekts erstellter Plan kann die Risiken des Projektes nie vollständig berücksichtigen. Risikomanagement ist daher unerlässlich. Risikomanagement ist eine eigene Disziplin und kann sehr aufwändig gestaltet werden. Ich möchte bewusst einen einfachen Ansatz dagegen halten.

Es ist besser ein einfaches Risikomanagement anzuwenden als ein aufwändiges zu vernachlässigen.

Anstelle einer Definition beginne ich mit einem einfachen Vergleich. Es ist nicht ganz klar woher das Wort Risiko stammt. Eine Erklärung führt es auf das griechische Wort rhizikon („Klippe“) zurück. Die Bedeutung Klippe, die umschifft werden muss um nicht zu scheitern, liefert mit den bildlichen Vergleich. Ein Projekt ist wie eine Seereise zu einem weit entfernten Wunsch-Ziel durch unbekanntes Gewässer. Die Vorräte an Bord des Schiffes sind begrenzt d.h. das Ziel sollte möglichst in der geplanten Zeit erreicht werden. Auf der Reise müssen unter Umständen viele Klippen umschifft und andere Hindernisse überwunden werden.

Die Hauptaufgaben des Risikomanagements

  • Risiken erkennen
  • Risiken bewerten
  • Gegenmaßnahmen planen

werden mit dem Vergleich greifbar. Zuerst müssen möglichst viele der Klippen und Schwierigkeiten auf dem Weg erkannt werden. Schön wäre natürlich eine Seekarte auf der alle Klippen und Untiefen verzeichnet sind. Dann kommt noch eine Karte der Meeresströmungen, eine Wetterkarte usw. hinzu. Da solche Karten bei der Fahrt in wirklich unbekannte Gewässer in der Regel nicht existieren ist man überwiegend auf Vermutungen angewiesen und muss sich seine Karten selbst zeichnen. Selbst wenn bereits Karten vorhanden sind stellt sich immer noch die Frage nach der Verlässlichkeit des Kartenmaterials.

Wenn man glaubt die meisten Klippen und Untiefen zu kennen, muss im nächsten Schritt geprüft werden wie gefährlich jedes Hindernis wirklich ist. Wie tief ist eine Untiefe wirklich, wie dicht liegen Untiefen und Klippen neben einander, wie sehen die Meeresströmungen an dieser Stelle aus, wie gut lässt sich manövrieren.

Nimmt man ein Schiff mit weniger Tiefgang (wannenförmiger Rumpf = Mississippi Dampfer) lässt sich vielleicht die eine oder andere Untiefe einfach überfahren. Liegen viele Klippen dicht beieinander ist wiederum ein wendiges manövrierfähiges Schiff von Vorteil. Das wendige Schiff hat dafür aber wieder mehr Tiefgang als ein Schiff mit wannenförmigem Rumpf. Liegen Klippen und Untiefen im Weg sind vielleicht mehrere kleine, wendige Schiffe gegenüber einem großen im Vorteil.

Mit mehreren kleinen Schiffen wäre ein Kompromiss zwischen Wendigkeit und geringem Tiefgang gefunden. Hinzu kommt jetzt die Schwierigkeit die Schiffe zu koordinieren um die Flotte z.B. bei Nebel zusammenzuhalten.

Es wird deutlich, dass aus einer gründlichen Betrachtung der Risiken sich meist auch Ansätze für Gegenmaßnahmen zur Beherrschung oder Vermeidung derselben ergeben. Auch die Rückwirkung auf den Plan und die Projektorganisation ergeben sich relativ leicht (z.B. bedeuten mehrere Schiffe mehrere Kapitäne + einen Commodore). Dennoch wird in vielen Projekten systematisches Risikomanagement sträflich vernachlässigt. Meist steht der Aspekt Ressourcen – Planung zu stark im Vordergrund. Im Bild der Schiffsreise gesprochen wird oft zu viel Zeit auf die Katalogisierung der Ladung und die Mannschaftsliste verschwendet und dabei der Blick auf die Seekarte vergessen. Der Aufwand für Risikomanagement wird gerne eingespart. Wie kann ein pragmatisches und schlankes Risikomanagement in einem Projekt aussehen? Mit einer Liste und 4 Fragen, die sich die Projektleitung regelmäßig stellen sollte kommt mann/frau schon sehr weit:

  • Sind die drei größten Risiken bekannt?
  • Was sind heute die drei größten Risiken?
  • Hat jeder im Team sein größtes Risiko benannt?
  • Welche Risiken sind in der letzten Woche hinzugekommen?

Aus der Formulierung der Fragen lässt sich schon erahnen, dass sie regelmäßig, das heißt jede Woche oder sogar täglich neu gestellt und beantwortet werden müssen.

Sind die drei größten Risiken bekannt? Selbst wenn im Projekt ein ausgewiesenes Risikomanagement betrieben wird, heißt das noch lange nicht, dass die größten Risiken bekannt sind. In der Formulierung “groß” steckt eine intuitive Mischung der Faktoren Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung. Diese sind leider nicht konstant und müssen ständig neu bewertet werden. Bevor man sich in seitenlangen Abwägungen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen verheddert, ist es besser sich regelmäßig die zweite Frage nach dem heutigen Risiko zu stellen – getreu dem Motto: “Wo drückt der Projektschuh jetzt in diesem Moment?”

Bei der dritten Frage wird es heikel. Keine Projektleitung kann alle Risiken finden. Sie letztendlich darauf angewiesen, dass alle im Team mit der Sprache rausrücken und das größte Risiko von dem sie wissen benennen. Die simple Frage “Weiß noch jemand was?” hilft hier nicht viel weiter. Es ist wichtig, dass im Team nicht ein Klima der Angst vorherrscht. Wenn die Angst regiert wird niemand gerne über Risiken sprechen. Die letzte Frage greift das Problem der unvollständigen Risikolisten nochmals in anderer Form auf.

Ich schließe mit einer provokanten Aussage und einer Wiederholung:

  • Es ist besser ein einfaches Risikomanagement anzuwenden als ein aufwändiges zu vernachlässigen.
  • Projektarbeit ohne Risikomanagement ist grob fahrlässig.

Dieser Text ist unter Creative Commons BY NC ND (Namensnennung – Nicht Kommerziell – Keine Bearbeitung) lizenziert. Er ist Teil des Buchprojekts “Menschen im Projekt”. Er gehört zum Abschnitt X, siehe Mindmap zu Inhalt und Struktur.

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Lesetipps zum Wochenende

In Jan Poczyneks Denkwerkstatt ist ein Gastbeitrag von Dani Rey zu lesen. Mit einem Begriff aus dem Skisport wird sehr schön klar gemacht, dass es beim Projektmanagement meist um die Einhaltung weniger aber sehr wichtiger Punkte geht: Zentral über dem Ski stehen.

Die hochwertige Wissensarbeit im Büro und die dumme schmutzige Arbeit. Über ein Gegenbeispiel zu diesen Stereotypen schreibt Jörg Dirbach im Wissensarbeiter-Weblog: Sind Zweiradmechaniker Wissensarbeiter?

Und dann noch etwas völlig off Topic. Ein 8-minütiges Video erstellt aus über 2000 Zeichnungen auf einem Notizblock. Eine kurze Geschichte über fast alles. Vom Urknall bis heute:

wünsche ein schönes Wochenende

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