Die Legende von Web 2.0 Werkzeugen

Collaboration und Wissensmanagement sind mit modernen Web 2.0 Werkzeugen kein Problem mehr. Es ist nur ein elegantes Tool auszuwählen und schon läuft der Erfahrungsaustausch wie geschmiert. Eine mächtige Suchfunktion fördert in fast jeder Lebens- und Problemlage wichtige Informationen und den entscheidenden Tipp zu Tage. Jeder User bewertet die Nützlichkeit der Information, hieraus entsteht von alleine ein Netzwerk hilfreicher Informationen, aus denen sich teilautomatisiert eine Dokumentation generieren lässt. Für die Wahl des richtigen Werkzeuges gibt es inzwischen von großen Beratungsunternehmen erstellte Entscheidungmatrizen.

Worauf warten wir noch?

Wir warten immer noch auf die Lösung des Kernproblems. Informationsaustausch war noch nie ein Problem des Werkzeuges und wird nie durch den Einsatz eines Werkzeuges gelöst werden. Entscheidend ist die Bereitschaft jedes Mitarbeiters sein Wissen preis zu geben. Wissen bedeutet oft Produktivitätsvorsprung. Warum sollte ein Mitarbeiter seinem Kollegen eine Information geben, dass er besser und schneller arbeiten kann? Die reine Existenz eines guten Werkzeuges ist hilfreich aber bestimmt keine alleinig hinreichende Motivation. Die Aussicht sich durch Informationsbereitstellung einen Guru-Status zu verdienen funktioniert vielleicht in der Open -Source Szene aber Hand aus Herz in vielen Unternehmen kann man sich im wahrsten Sinn des Wortes für einen solchen Status nichts kaufen.

Was also kann einen Mitarbeiter dazu bringen seine Informationen, sein Wissen zu teilen. Eine starke Motivation kann die Arbeit im Team, die Arbeit auf ein gemeinsames Ziel hin sein. Das gemeinsame Erreichen eines Ziels, eine gemeinsame Vision gibt allen ein gutes Gefühl. Im Tausch für dieses Gefühl wird Information Preis gegeben. Ich spreche bewusst von “preis” geben. Die gemeinsame Vision, das Gefühl des möglichen Erfolges ist der Preis, der für Informationstausch gezahlt werden muss. Solange keine gemeinsame Vision vorhanden ist. Solange die Frage “Wofür arbeiten wir hier?” nicht beantwortet werden kann, wird kein Informationsaustausch stattfinden.

Ich stelle nicht in Frage, dass es heute viel bessere Tools wie vor 10 Jahren gibt. Wenn die Voraussetzung vorhanden ist, lässt sich der Informationsaustausch heute erheblich vereinfachen und verbessern. Solange allerdings die erste Hürde nicht genommen ist hilft kein Tool. Die Bereitschaft der Menschen zu teilen ist wichtiger als jedes Werkzeug.

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18 Responses to Die Legende von Web 2.0 Werkzeugen

  1. Rolf Langhoff says:

    Neu ist eigentlich nur die Transparenz durch die neuen Werkzeuge. Jeder kann sehen wer sich wie beteiligt hat, oder auch nicht.
    Irgendwann werden auch die Personal-Controller (und auch die Kontroller) diese Werkzeuge für ihre Aufgaben entdeckt haben und dann gibt es auch wieder Preise für Beteiligung.

  2. Stimmt, ein Werkzeug allein löst meistens keine Probleme, schon gar nicht im Wissensmanagement.

    In einer mir bekannten Firma wurde auch der Versuch gestartet eine gemeinsame Kommunikationsplattform für den Austausch der Consultants zu etablieren. Leider ohne Erfolg.

    Die Mitarbeiter empfanden es als unbezahlte zusätzliche Arbeit, als Preisgabe von mühsam erarbeiteten Wissen, von dem letztlich nur die anderen profitieren. Auch Preise oder Bezahlung für Artikel hatten hier keine Chance.

    Deswegen ist es richtig, dass die Einstellung der Mitarbeiter stimmen muss. Das WIR muss im Vordergrund stehen und jeder einzelne muss als denkendes Individuum, als Teil des Ganzen respektiert werden. Beides sehe ich momentan noch in viel zu wenigen Firmen. Vielleicht sind uns hier die Tools und die Internetgemeinde zu weit voraus.

  3. Wir sollten auch den Begriff des “Wissensmanagements” in Frage stellen: Wissen lässt sich nicht “managen”. Der Begriff suggeriert, dass sich Menschen von außen dazu motivieren lassen, ihr Wissen preiszugeben. Das halte ich für eine Illusion. Entweder sie tun es aus eigenem Antrieb oder jede “Wissensmanagement”-Initiative verläuft im Sand.

    Aus meiner Praxiserfahrung stehen die Prinzipien der Führung im Vordergrund: Gibt das Management nur spärlich Informationen preis, werden sich die Mitarbeiter daran orientieren. Besteht eine offene Informationspolitik von Seiten des Managements, erlebt man auch einen regen Erfahrungsaustausch bei den Mitarbeitern.

    Die verwendete Methodik oder das eingesetzte Werkzeug ist zweitrangig.

  4. Hallo zusammen,

    danke für Ihre Anmerkungen. Um ehrlich zu sein bin ich überrascht, dass meine These Zustimmung findet, allzu oft begegnet mir in der Praxis die totale Werkzeuggläubigkeit.

    @Jürgen Rohr – an die Vorbildfunktion in Sachen Umgang mit Information hatte ich beim Schreiben nicht gedacht, da stimme ich Ihnen vollständig zu.

  5. Rolf Langhoff says:

    Hallo zusammen,

    gibt es da vielleicht ein Missverständnis bei den Werkzeuggläubigen?

    Betriebliche Anwendungsprogramme beinhalten meist einen vorgegebenen Arbeitsablauf und “leiten” die Mitarbeiter an. ( ERP-Programme, Terminverwaltung usw.)
    Mit der Entscheidung für ein Werkzeug oder System hat der Entscheider viele Diskussionen an das Programm abgegeben. (“Anpassung geht nicht oder zu teuer…”)
    Und er kann sich selbst auch oft leicht aus jeder eigenen Beteiligung verabschieden.

    Web 2.0 funktioniert so im Unternehmen nicht.

    Bei den typischen Web 2.0 Vertretern, man nehme nur das gute alte Wiki, fängt die Arbeit nach der Installation erst richtig an. Die Bedienung ist einfach, aber die Anforderungen an eigenständige Strukturierung des zu dokumentierenden Wissens sind dann doch etwas höher.

    Was in der Freizeit (Web 2.0) zu Freiheit führt bedeutet bei der Arbeit (Enterprise 2.0) verbindliche Abstimmung, Arbeit und Aufwand an Zeit. Da wird das neue Werkzeug schnell zum neuen Problem.

    Das Werkzeug funktioniert dann nicht so automatisch wie vielleicht phantasiert.

  6. Hallo Herr Langhoff,

    dass bei einem Web 2.0 Werkzeug die Arbeit hinterher erst richtig los geht ist richtig.

    Ihr Hinweis auf die Freizeit hat mich noch auf einen anderen Gedanken gebracht: Die Freizeit ist beziehungsorientiert, d.h. mann/frau sucht sich aus mit wem und zu welchem Thema kommuniziert wird. Die eigene Mitteilsamkeit wird im Netzwerk durch Anerkennung und “sozialen Status” honoriert. In der Firma stehen hingegen oft Hierarchien und Kennzahlen im Vordergrund. Aktives Einbringen in eine interaktive Plattform verschlechtert ggf. sogar die Kennzahlen und sei es nur, dass sich der Prozentsatz der fakturierbaren Arbeits-Zeit verringert.

  7. Pingback: Kommunikation und Web 2.0 » MacPM.net

  8. Oliver Leu says:

    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu. Das Werkzeug alleine bietet lediglich in Bezug auf Kommunikation und Kollaboration eine Antwort auf die Frage des “Wie?”. Entscheidend ist nun die Beantwortung der Frage “Warum?”.

    Meiner Erfahrung nach werden Web 2.0 Technologien in Unternehmen nur dann akzeptiert und wirklich genutzt, wenn ein tatsächlicher Nutzen für den Einzelnen erkennbar ist. Und hier gilt es erst einmal eine große Anfangshürde zu überwinden (z.B. Wissensplattform). Der tatsächliche Nutzen entsteht in der Regel erst, wenn viele und vor allem brauchbare Informationen dort verfügbar sind. Und hierfür benötigt man erst einmal auch etwas Zeit. In dieser Zeit “sterben” dann auch leider die meisten Web 2.0 Projekte.

  9. Hallo Herr Leu, bitte entschuldigen Sie meine verspätete Antwort. Danke für Ihren Hinweis. Diese kritische Menge an Content ist in der Tat eine zusätzliche Hürde, die zu nehmen ist.

  10. was genau will mir der autor mit seiner werkzeugreichen ausführung eigentlich sagen? .. und, von welcher legende genau spricht er?

  11. Hallo lokalreporter,

    ich spreche von der Legende, dass ein Einsatz von Web 2.0 Werkzeugen alleine die Kommunikation in Projekten beflügeln würde.

    Was ich sagen will ist folgendes: Wenn die Menschen nicht kommunizieren können oder wollen hilft auch kein Software-Werkzeug

    viele Grüße Eberhard Huber

  12. wovon sie sprechen ist mir schon klar. irritierend finde ich eher das offensichtliche daran ..

  13. @lokalreporter … sorry, dann hatte ich Ihre Frage missdeutet. Es ist leider mitnichten offensichtlich. Ich habe selbst schon mehrfach erlebt, dass Kommunikationsprobleme durch die Einführung von Werkzeugen gelöst werden sollten. Ich rede dabei über Projekte mit einem siebenstelligen Eurobudget.

  14. und das siebenstellige eurobudget soll jetzt welche these untermauern?
    sorry, offensichtlich kapiere ich nicht was sie sagen wollen .. ist mir zu allgemein und unkonkret. haben sie beispiele?

  15. Konkrete Projekterfahrung: Mittleres Unternehmen mit ca. 2000 Mitarbeitern und einer großen Vertriebsabteilung. Es wird ein modernes Software Werkzeug (inkl. moderner Web 2.0 Features) eingeführt, das eine effiziente Kommunikation der Vertriebsmitarbeiter sicherstellen soll. Gesamtprojektbudget jenseits der Millionengrenze. Das System wurde nach der Einführung jedoch nicht genutzt. Nicht ein Bericht wurde eingestellt, nichts von der erhofften Hintergrundinformation, alle Auswertungen, Verknüpfungen und intelligente Knowledgemap-Auswertungen liefen komplett ins Leere. Das Problem bestand darin, dass die Mitarbeiter ihr Wissen weitgehend für sich behielten. Es war weder Kultur noch Motivation vorhanden Wissen zu teilen. Solange diese Grundvoraussetzung “Bereitschaft Wissen zu teilen” nicht vorhanden ist, wird m.E. eine Investition in Kommunikationswerkzeugen leicht zur Fehlinvestition.

    In Unternehmen in denen eine entsprechende Kultur vorhanden ist, schaffen sich Mitarbeiter oft bereits mir den schon verfügbaren (altmodischen) System gute Lösungen. Dann lohnt es sich mit verbesserten Werkzeugen Mehrwert zu schaffen.

  16. ich denke ich weiß jetzt was gemeint ist. das einfache überstülpen neuer erkenntnisse/entwicklungen funktioniert natürlich nicht, erst recht nicht auf kognitiver appellebene. nur wenn es im ganzen gelebt wird, wird es auch angewandt und verstanden.
    und wir beide scheinen uns jetzt ebenfalls zu verstehen :-) )

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