Die Live-Klausur ist zu Ende. 5 Stunden fruchtbarer und intensiver Diskussionen haben ihre Spuren hinterlassen. Gestern war es noch die Erschöpfung, die mir nur einen kurzen Twittereintrag ermöglichte:

Führung im 21. Jahrhundert, die Klausur in Ludwigsburg war große Klasse, danke an alle die dabei waren

Stefan hat es immerhin schon zu einem kurzen Blogeintrag geschafft 😉

Heute morgen kreisen immer noch die Gedanken, für eine Aufarbeitung ist es noch wohl zu früh. Ein paar Gedanken möchte ich dennoch versuchen schon jetzt zu fassen und hier unstrukturiert aufzuschreiben. Ich schreibe bewusst in der Ich-Form, weil es meine aktuellen Gedankengänge sind und keine Zusammenfassung oder Essenz unserer Diskussion darstellen:

  • Wenn ich das Bedürfnis spüre an einem hierarchischen auf Loyalität basierenden Führungsverständnis etwas zu ändern, also versuche ein neues Führungsverständnis zu entwickeln, bediene ich mich nahezu zwangsläufig den Begriffen und Mustern des aktuellen Denkens und beschränke dabei meine Kreativität ein neues Verständnis zu finden. Gestern fiel der Vergleich mit Einstein, der erst in der Ãœberwindung des Konzeptes des unveränderlichen Raumes den Schritt zu einer neuen Beschreibung von Raum und Zeit geschafft hat. Umbrüche im Denken generieren neue Bilder neue Begriffe manchmal eine neue Sprache. Diese Bilder, Gestalten und Sprache müssen wir finden.
  • Führung ist allgegenwärtig. Jeder Mensch handelt und führt. Aus dem Handeln entsteht Führung und wenn es nur dadurch ist, dass er unreflektiert Nachahmer findet. In einer Gruppe von Menschen entwickelt sich aus den individuellen Führungsbeiträgen, ein Muster, ein Netzwerk, eine Verteilung von Führung. Das entspricht in etwa der Rollenklärung der Gruppendynamik. Die selbst organisierte Führung ist verteilt – aber nicht gleichmäßig verteilt.
  • Wer führt hat Einfluss, der Einfluss ist nicht gleichmäßig verteilt. Jetzt kommt der Kontext hinzu. Den Gruppen werden einflussreiche Menschen vor die Nase gesetzt. Dies können Vorgesetzte, Projektleiter oder andere sein. Diese Einsetzung eines Führers verändert die Führungsverteilung der Gruppe. Die veränderte oder deformierte Führungsverteilung muss nicht zwingend kompatibel zu der organisch gewachsenen sein. Hier entsteht ein Spannungsfeld.
  • Das Bild, dass Führung ein Angebot ist, das von den potentiell Geführten angenommen werden muss, ist richtig. In vielen Unternehmen haben Mitarbeiter allerdings nicht die Wahl, Führung anzunehmen oder nicht. Aus der „scheinbaren Annahme“ entstehen schmerzhafte Spannungen, innere Kündigungen oder Dienst nach Vorschrift.
  • Zwischem einer organisch, selbst organisierten Führung und einem Führungskontext gibt es ggf. schmerzhafte Gelenkstellen.
  • Das Menschenbild ist wichtig. Was macht Menschen aus? Wie kann man dem „Wesen des Menschen“ in verschiedenene Führungskontexten gerecht werden.

In den nächsten Wochen werden sicher noch viele Beiträge folgen, wir werden das Videomaterial auswerten, Teile davon separat veröffentlichen und Gedanken zur Weiterarbeit entwickeln. Ja – es wird eine Weiterarbeit geben. Vielleicht entwickelt sich aus der Runde von gestern tatsächlich eine Keimzelle – ein Ludwigsburger Kreis – für ein neues Führungsverständnis.

Hier noch interessante Gedanken im schlossBlog.