GSW – ein erstes Unternehmen M

M steht für Mensch. Wie angekündigt möchte ich heute auch gleich das erste Unternehmen vorstellen. Die GSW mbH befindet sich derzeit in der Gründung. Die Gründer verfolgen einen sehr radikalen Ansatz. Sie schreiben selbst

Wir gründen eine GmbH, in der alle geschäftsführende Gesellschafter sein werden. Von den Gründern bis zur Assistenz. Wir ziehen damit die Konsequenz aus unserer Ãœberzeugung, dass Menschen im Allgemeinen intelligent, verantwortungsbewusst und sorgsam sind.

Alle tragen zum Unternehmen bei, alle entscheiden mit. Es gibt keine Organisationsstruktur im üblichen Sinne1. Die muss sich – falls benötigt – aus den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Rahmenbedingungen des Geschäftes selbst entwickeln.

Sie unternehmen ein Experiment. Mit dem RealExperiment-sinnvoll-wirtschaften wollen sie beweisen, dass es auch anders geht. In gewisser Weise ist dieses Experiment der Prototyp des Unternehmens M. Sie haben eine gemeinsame Vision, einen Sinn, sie setzen auf Selbstorganisation und einen radikal neuen Führungsansatz.

Auf Ihrer Webseite gibt es auch einen kurzen Film über das Experiment zu sehen.

  1. Im ersten Kommentar hat Gebhard ausführlich erläutert wie diese aussieht. []

4 thoughts on “GSW – ein erstes Unternehmen M

  1. Hallo Eberhard,

    an dieser Stelle auch vielen Dank für die Empfehlung unseres RealExperiments. Bevor hier allerdings Mißverständnisse aufkommen, Du hast geschrieben:
    Es gibt keine vorgegebene Organisationsstruktur. Die muss sich – falls benötigt – aus den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Rahmenbedingungen des Geschäftes selbst entwickeln.
    Der “Dippfelesscheißer” in uns würde hier berechtigterweise einwenden: “Auch eine Erhebung aller zum geschäftsführenden Gesellschafter ist eine vorgegebene Organisationsstruktur!” und hat natürlich recht.
    Deshalb hier meine Ergänzung zu Deiner Aussage, die ich durchaus teile.
    Es geht uns mit der Struktur die wir vorgeben darum, eine FORMALE Organisationsstruktur zu schaffen, die jegliche festzementierte Machthierarchie ad absurdum führt. Wir wollen damit den Weg bereiten für eine fließende, menschliche Fühungskultur, die sich, wie Du sagst, aus den Bedürfnissen der Mitarbeiter und den Rahmenbedingungen des Geschäftes selbst entwickelt. Deshalb erheben wir einfach alle zum Chef, anstatt zu versuchen unterschiedlichen Chefs unterschiedlich viel formale Macht zu geben und die Mehrheit der Mitarbeiter in Ohnmacht verharren zu lassen (willig oder widerwillig).

    Wir freuen uns über Deine Unterstützung!
    Gruß
    Gebhard

  2. Guten Morgen Eberhard,

    danke auch von mir. Und noch eine kurze ergänzende Bemerkung. Letzte Woche hielt ich meinen Vortrag “Riding dead horses. We need a shift of paradigm, not cosmetics” bei einem internationalen Kongress. Eine der anschließenden Reaktionen war das Ãœbliche, was wir immer zu hören bekommen:

    “Ist ja schön und gut, so ohne Hierarchie. Aber es gibt nun mal Leute, die führen wollen, und andere, die es nicht wollen. Und wie soll das gehen, wenn niemand führt.?” – So mal ungefähr aus der Erinnerung zitiert. Das gehört zur selben Argumentenkategorie wie das, was mir ein Anwalt aus meiner Familie zum RealExperiment sagte, als er hörte, dass alle geschäftsführende Gesellschafter werden sollen: “Es kann nicht nur Häuptlinge geben. Wir brauchen auch Indianer.”

    Dazu gibt es dringend zweierlei zu sagen:

    1. Niemand hat gesagt, dass es in der GSW keine Hierarchie gäbe! Natürlich wird es sie geben. Gibt es jetzt schon. ABER: Es gibt keine FORMALE Hierarchie, sondern eine, wie wir sagen, nomadische. Die Führungsfunktionen rollieren, rotieren, oder wie auch immer. Jeder führt mal. Und jeder wird mal geführt. Abhängig von der KOMPETENZ des Führenden aus der Selbstwahrnehmung des Führenden und der Fremdwahrnehmung der geführten. Unser Hauptargument: Niemand kann jahrelang Führender sein, nur weil er mal auf die formal-juristische Position gekommen ist. Das ist vollkommen irrational und zutiefst unökonomisch.

    2. “The world turned into what we expect” – so habe ich es im Vortrag formuliert. Wenn wir glauben ( – und das sage ich als ausgebildeter Wissenschaftler!), es müsse auch dauerhafte Indianer geben, dann suche ich nach Indianern und werde über den Weg meiner Erwartungshaltung die Indianer auch weiterhin als Indianer sehen und so behandeln. Ganz banal: Ich stelle Indianer ein, und keine Häuptlinge. Ich habe Indianer auf der Pay-Roll und Häuptlinge. Schön sauber getrennt. Garantiert so, wie das echte Leben nicht funktioniert. Unsere Erwartungshaltung verändert erwiesenermaßen über den “Rosenthal-Effekt” die tatsächliche Performance des Beobachteten. Sprich: Wer die Sekretärin als Indianersquaw sieht, der macht sie automatisch auch dazu. Ebenso bewusst wie unbewusst.

    Summa Summarum: Die GSW ist kein basisdemokratischer Träumerverein. Wir wollen Führung. Wir wollen Hierarchie. Aber niemals nur aufgrund einmal getroffener formal-juristischer Entscheidung. Sondern aufgrund von immer wieder – täglich! – aufs neue zu beweisender Kompetenz und Akzeptanz.

    HGA

  3. Hallo Andreas,

    völlig klar, vor drei Tagen schrieb ich im einleitenden Text zum Thema Führung.

    Mit anderen Worten: Führung ist ein Aspekt eines dynamischen Rollenwechsels in der selbstorganisierten Gruppe und wird ggf. von verschiedenen Menschen wahrgenommen.

    Selbstorganisation liefert immer eine Hierarchie, allerdings eine dynamische und situations – adäquate.

    viele Grüße Eberhard

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