Die widersprüchlichen Aussagen, das verbale Hin- und Her-Rudern der Verantwortlichen erfüllt mich zunehmend mit Ärger. Inzwischen hat sich so viel Ärger angestaut, dass ich ihn mir von der Seele schreiben muss. Ein wenig Struktur habe ich meinen wütenden Worten dennoch gegönnt. Jeder Abschnitt beginnt mit einer der Aussagen, die in den letzten Wochen so ähnlich zu hören waren. Selbst schuld wer seine Daten preis gibt. Nein! Es ist ein himmelweiter Unterschied ob ich einen öffentlichen Diavortrag über meinen Urlaub halte, Postkarten aus dem Urlaub verschicke oder einen Brief schreibe. Es ist mein Grundrecht zu entscheiden ob ich etwas öffentlich erzähle, ein Mitlesen durch den Briefträger in Kauf nehme oder ob ich etwas vertraulich mitteilen möchte. Ich muss mich in einem freiheitlichen Staat darauf verlassen können, dass Briefe nicht geöffnet werden. Das Einsammeln und Verknüpfen nicht öffentlicher Daten aus diversen Cloud-Diensten ist nichts anderes als das Öffnen eines Briefes. Es geht um die Sicherheit, Kampf dem Terror! Es gibt keine absolute Sicherheit. Tote durch Terror sind kein relevantes Problem und nicht jede Maßnahme ist angemessen! Wer von Sicherheit schwadroniert sollte sich zuerst um die wirklichen großen Gefährdungen kümmern. Die Gefahr durch ungewaschene Hände von medizinischem Personal zu Tode zu kommen ist in Deutschland ca. 9000-mal größer als durch einen Terrorakt zu sterben.1 Mit anderen Worten: 167 Menschen sterben jeden Tag an Sepsis! Davon könnten gut 50 noch leben wenn medizinisches Personal mehr Zeit hätte sich die Hände zu waschen. Wir brauchen Ãœberwachungsdaten für polizeiliche Ermittlungen. Die Aufklärungsquote für Mord-und Totschlag liegt schon über 95%.2 Selbst die NSU-Morde, die lange Zeit zu den 5% der ungelösten Fälle gehörten, waren durch klassische Polizei-Arbeit praktisch schon vor dem ersten Mord gelöst.3 Dass das Tätertrio nicht verfolgt wurde hatte andere Gründe als fehlende Ãœberwachungsmöglichkeiten. Es gibt keinen Ermittlungsnotstand bei schweren Straftaten! Bei weniger schweren Straftaten gibt es sicher noch Verbesserungspotential. Das wird aber nicht durch Ãœberwachung sondern durch mehr Personal und bessere Zusammenarbeit ausgeschöpft.4 Alles nicht so schlimm, wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten. Ich kann es nicht mehr hören. Der Artikel Erfahrungsbericht aus den Schattenkriegen sei zur Lektüre empfohlen. Hier beschreibt ein völlig unverdächtiger und selbstredend unschuldiger Staatsbediensteter wie leicht es passieren kann doch etwas befürchten zu müssen. Nicht auszudenken, wenn es vollständig legal wäre was die “Sicherheitskräfte” in diesem Fall gemacht haben. Epilog Die oben genannten Zahlen sind den Protagonisten der Debatte wohl bekannt. Ein jede(r) möge sich selbst die Frage beantworten welche Absichten die Befürworter und Verharmloser von Ãœberwachung wirklich haben.  
  1. 1986 starben bei einem Sprengstoffanschlag in einer Diskothek in Berlin 2 Menschen, 28 wurden schwer verletzt. Beim Olympiaanschlag in München 1972 starben 17 Menschen. Bei der Entführung des Flugzeugs Landshut starben 4 Menschen. Die Anschläge der RAF in Deutschland forderten 36 Menschenleben. Der Nationalsozialistische Untergrund hat 10 Menschen getötet. In 37 Jahren wurden in Deutschland also 79 Menschen durch Terrorakte getötet. Dem stehen knapp 60.000 Tote pro Jahr gegenüber, die an Blutvergiftung sterben. 20.000 dieser Todesfälle wären durch mehr Hygiene vermeidbar gewesen, Quelle n-tv Bericht zum Welt-Sepsis-Tag. Genauere Zahlen zur Sepsis gibt es direkt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ich vergleiche also vorsichtig gerechnet 20000 Tote pro Jahr mit 79 Toten in 37 Jahren, Das ergibt das oben genannte Verhältnis. []
  2. Quelle: Kriminalstatistik des BKA für 2012, siehe zusammenfassende Tabelle Seite 4 []
  3. Noch vor dem ersten Mord war das Trio und all seine Kontakte bekannt. Es ist inzwischen ein Schreiben aufgetaucht in dem explizit auf die Gefahr, die von dem Trio ausging, hingewiesen wurde: Quelle ARD Mediathek. []
  4. Hierzu ein kleines Beispiel: Letztes Jahr wurde mein Auto gestohlen. Der Dieb hat das Auto in einer nicht weit entfernten Stadt benutzt und mehrfach Strafzettel erhalten, die dann via Ordnungsamt an mich als Halter des Fahrzeugs geschickt wurden. Ich musste mit den ausgedruckten Strafzetteln zur Polizeidienststelle laufen und den Kollegen mitteilen, dass mein Auto gesichtet worden ist. Die Ablage der Hinweise in der Fall Akte war dann nicht möglich weil der zuständige Mitarbeiter im Urlaub war. Das Spiel zog sich über mehrere Strafzettel und Wochen hin bis das Auto irgendwann vor einer Feuerwehrausfahrt abgestellt und abgeschleppt wurde. Bei der Spurensicherung wurden dann Blutspuren und Einbruchswerkzeug gefunden. Der Dieb hatte das Fahrzeug für weitere Straftaten benützt. Möglicherweise hätten diese verhindert werden können wenn eine rudimentäre Zusammenarbeit von öffentlichen Dienststellen funktioniert hätte. []