Derzeit wird in der Projekt-Blogosphäre intensiv diskutiert. Der openPM-Artikel Projektmanagement mit Haltung gibt hier einen guten Ãœberblick. Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich persönlich in der Diskussion einen Aspekt vermisse. Im Begriff der Haltung ist immerhin ein Teil meines Anliegens bereits implizit enthalten. Haltung ist ein Synonym für das altmodische Wort Gesinnung, das der Philosoph Rudolf Eisler1 wie folgt definiert:2

Sinnesweise, Willenshabitus, dauernde Willensrichtung, die Motivation des Handelns in ethischer Hinsicht, die gefühlsbetonten Vorstellungen, aus denen der Wille entspringt.

 
Was hat eine „Motivation des Handelns in ethischer Hinsicht“ mit Projektarbeit zu tun? Leitende Tätigkeiten erfordern Entscheidungen, Entscheidungen basieren auf ethischen Grundsätzen. In den Zeiten des Wandels und der Individualisierung ist ein Konsens über eine Ethik kaum noch erkennbar. Entscheidende haben die Möglichkeit sich hinter Methoden zu verstecken oder sich ethischen Fragen zu stellen um selbstbewusst und selbstverantwortlich entscheiden zu können. Eine der ethischen Fragen von der ich mir wünsche, dass sie jede(r) für sich beantwortet, möchte ich kurz anreißen.

Welches Menschenbild habe ich?

  • Sind Menschen faul oder motiviert?
  • Sind Menschen egoistisch oder kooperativ?
  • Sind Menschen in der Lage mitzudenken und selbstständig zu entscheiden oder muss eine leitende Funktion Arbeitsschritte im Detail vorgeben?
  • Kann jeder einen Beitrag leisten?

Bei der Beantwortung der Fragen geht es um Grundsätzliches. Es geht um die Erwartung wie Menschen sich verhalten (wollen). Ich bin mir sicher, dass es hier keinen Konsens gibt und es viele Antworten auf diese Fragen gibt. Meine persönlichen Antworten sollen in diesem Beitrag keine Rolle spielen. Ich wünsche mir nur, dass sich alle, die mit der Gestaltung von Arbeit befasst sind, ihr Menschenbild gründlich reflektieren.

 

  1. Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 383, Literaturangabe aus Wikipedia []
  2. Hervorhebung im Original nicht enthalten. []