turnaroundIch kenne und schätze einige der Co-Autoren, deshalb war ich auf die Lektüre des auf den ersten Blick ungewöhnlichen Buches sehr gespannt. Es fällt sowohl mit seiner Entstehungsgeschichte als auch in Hinsicht auf Layout und Aufbereitung der Inhalte aus dem gewohnten Rahmen für Projektmanagement-Literatur. Bevor ich meine Eindrücke schildere, möchte ich sagen, dass ich das Buch empfehle, obwohl die nächsten Abschnitte zum Teil kritisch klingen.

Das Buch ist quadratisch. Typografie und Layout wechseln häufig. Es gibt viele eingestreute Grafiken. Wichtige Sätze oder kurze Aussagen stehen teilweise alleine auf fast leeren Seiten. Es wirkt an einigen Stellen wie eine kreativ verschönerte Reinschrift von Flipcharts. Vielleicht spiegelt sich hier die Entstehungsgeschichte des Buches wider. Es wurde zusammen mit 40 Co-Autoren in einer Reihe von Workshops entwickelt. Die optische Gestaltung vermittelt den Eindruck, dass es schnell durchgeblättert werden kann. Das täuscht ein wenig, man sollte sich mehr Zeit nehmen, als es der erste Blick vermuten lässt.

Der Titel ist zugleich der inhaltliche Aufhänger des Buches: Projekte, die kopfstehen oder in Schieflage sind, sollen gerettet werden. Ganz ehrlich gesagt ärgern mich die »Rettungsmissionen« in der Projekt-Management-Welt immer mehr. Der »Rettungsgedanke« wird zunehmend als Verkaufsargument herangezogen1. Ich fühle mich zudem an den Begriff der »Rettungsmission« erinnert. Missionen gibt es in der Projektwelt schon genug, jede weitere bringt eher Konfusion als Hilfe. Dieser Missionsgedanke stört mich hier besonders, weil die Gedanken und Vorschläge in »turn around« gut sind, und eine Basis für gründliche und gelingende Projektarbeit liefern können.

Einer der zentralen methodischen Punkte ist das Project-Square. Es ist eine Vorlage und Vorgehensweise systematisch an Projekte heranzugehen und den Blick der Menschen von den Details auf den Kern des Projektes zu lenken2. Wird das Project-Square gewissenhaft erarbeitet wird eine solide Basis gelegt um das Projekt erfolgreich gestalten zu können. Es beantwortet die klassischen W-Fragen, stellt den Gesamtkontext her oder liefert die Grundlagen, wie ich sie hier beschrieben habe.

Die Idee des Squares wird ausführlich erklärt, Möglichkeiten zur Nutzung und methodische Elemente sind ebenfalls enthalten. Eingestreute Beispiele und Ãœbungen erleichtern zudem den Einstieg. Wenn das Project-Square zu Beginn des Projektes erarbeitet wird, sinkt definitiv die Wahrscheinlichkeit, dass später gerettet werden muss.

Die eigentliche Stärke des Buches sehe ich darin, dass es eine (methodenunabhängige) Essenz für erfolgreiche Projektarbeit formuliert. Deshalb kann ich das Buch wie oben schon erwähnt empfehlen.

TURN AROUND
Wenn Projekte kopfstehen und klassisches Projektmanagement versagt
Roger Dannenhauer, Torsten J Koerting, Michael Merkwitza
ISBN-13: 978-3000423833
Webseite zum Buch: http://turnaroundpm.com/
Buch bei amazon (kein Affiliate Link)

  1. Ich bestreite nicht, dass es in vielen Projekten nicht optimal läuft und Handlungsbedarf besteht. Es sollte m.E. gründlicher und gewissenhafter gearbeitet werden. Dann müsste man nicht so viel retten. []
  2. Zitat: Seite 48 unten []