Ich schreibe heute genau genommen über zwei Themen. Einerseits habe ich begonnen das neue Buch von Andreas Zeuch zu lesen. Im Abstract von „Alle Macht für niemanden“ steht unter anderem.

Andreas Zeuch widerlegt anhand exklusiv recherchierter, ausführlicher Fallbeispiele die Argumente gegen Unternehmensdemokratie. Denn es gibt sie längst, die Unternehmen, die teils seit Jahrzehnten nicht trotz, sondern aufgrund ihrer Demokratie überaus erfolgreich wirtschaften.

Das Buch liefert Mut machende Beispiele, dass sich Unternehmen auch entgegen der herrschenden Meinung erfolgreich organisieren lassen. In dem Wort „erfolgreich“ steckt allerdings Potential und Sprengstoff zugleich. Andreas selbst hat schon über eine neue Definition des Unternehmenserfolges geschrieben.

Damit komme ich zum anderen Thema „Muster brechen“. Das ist dieses Jahr Thema des PM-Camps in Dornbirn und der zugehörigen Blogparade. Ein überaus hartnäckiges Muster ist die enge Definition des Projekterfolges. „time and budget“ sind immer noch beherrschenden Faktoren, die bei der Bewertung des Projekterfolges herangezogen werden. Auf dem Altar von Zeit und Geld werden gelegentlich sogar die Ziele geopfert. Ich möchte dies bewusst mit Unternehmen vergleichen, die bei einer eindimensionalen Kostenoptimierung gelegentlich das eigene Kerngeschäft zerstören.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Fokussierung auf Kosten nicht mehr weiterkommen, dass wir für menschenwürdige Unternehmen und Projekte einen weiteren Erfolgshorizont benötigen. Die monetären Aspekte wären dann nur noch ein Teil einer langen Liste von Erfolgskriterien. Eine Schwierigkeit möchte ich dabei nicht verschweigen. Der Blick auf das Geld hält sich unter anderem deshalb so hartnäckig, weil es sich einfach zählen lässt und der Erfolg damit (vermeintlich) leicht messbar wird. Bei einer neuen Definition des Erfolgs wird das Messen vielleicht etwas kniffliger aber nicht unmöglich.

Um menschenwürdige Projekte (und Unternehmen) zu gestalten, brauchen wir eine neue Definition von Erfolg.

Dabei könnten z.B. die folgenden Faktoren berücksichtigt werden:

  • Geld
  • Zeit
  • Ziele
  • Zufriedenheit Kunden
  • Zufriedenheit Mitarbeiter
  • positive individuelle Lernerfolge
  • positive Lernerfolge für Organisation
  • neue Ideen und Gedanken für kommende Projekte

Das ist nur eine vorläufige und Liste, die um weitere Aspekt ergänzt werden könnte müsste. Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Minimierung von Gesundheits- und Umwelt-Schäden wären weitere Punkte, die bei großen Projekten oder Unternehmen zu berücksichtigen wären. Für überschaubare Projekte mag diese erste Liste aber schon ausreichen und stellt eine Verbesserung gegenüber dem magischen Dreieck dar.

Visualisierung des Erfolges

grafik_erfolgWie gesagt – hartes Geld lässt sich leicht zählen, wobei oft der Teufel im Detail steckt. Im Gewirr von Kostenstellen können Projektbudgets in jede Richtung schön gerechnet werden. Aber auch die neuen (weichen) Aspekte lassen sich mit wenigen Fragen qualitativ auf einer einfachen Skala bewerten. Aus Zustimmungen oder Ablehnungen zu einer Aussage lassen sich schnell Mittel- bzw. Prozent-Werte berechnen. Diese kann man z.B. in Form eines Netzdiagramms wie nebenstehend auftragend. Die klassischen Aspekte lassen sich ebenfalls mit einfügen. Bei eindimensionaler Fokussierung auf Geld wäre nur eine mehr oder minder lange Linie bzw. ein Punkt sichtbar (rot). Verwendung des magischen Dreiecks führt zu mehr oder minder dreieckigen Figuren (gelb). Multidimensionale Betrachtungen führen im Erfolgsfalle zu einer annähernd kreisförmigen Figur (grün). Wenn der Kreis zur „Kartoffel“ mutiert, sieht man auf einen Blick, worauf man im nächsten Projekt achten muss.

Kreise und Kartoffeln wären doch tolle Alternativen für die Projektampeln?!

Fortsetzung folgt …