Eine Seefahrt ist nicht lustig

Das Wort Risiko stammt aus dem Italienischen und bedeutet Klippe. Ein Risiko ist also eine Klippe die umschifft werden muss. Damit drängt sich ein bildlicher Vergleich auf: Ein Projekt ist wie eine Seereise zu einem weit entfernten Ziel durch unbekanntes Gewässer. Die Vorräte an Bord des Schiffes sind begrenzt d.h. das Ziel muß in der geplanten Zeit erreicht werden. Auf der Reise müssen unter Umständen viele Klippen umschifft und andere Hindernisse überwunden werden. Die Hauptaufgaben des Risikomanagements – Risiken erkennen – Risiken bewerten – Gegenmassnahmen planen werden mit diesem bildlichen Vergleich klarer. Zuerst müssen möglichst viele der Klippen und Schwierigkeiten auf dem Weg erkannt werden. Schön wäre natürlich eine Seekarte auf der alle Klippen und Untiefen verzeichnet sind. Dann kommen noch eine Karte der Meereströmungen, eine Wetterkarte usw. hinzu. Da solche Karten in der Regel nicht existieren ist man überwiegend auf Vermutungen angewiesen und muß sich seine Karten selbst zeichnen. Selbst wenn bereits Karten vorhanden sind stellt sich immer noch die Frage nach der Verläßlichkeit. Wenn man glaubt die meisten Klippen und Untiefen zu kennen, muß im nächsten Schritt geprüft werden wie gefährlich jedes Hindernis wirklich ist. Wie tief ist eine Untiefe wirklich, wie dicht liegen Untiefen und Klippen neben einander, wie sehen die Meeresströmungen an dieser Stelle aus, wie gut läßt sich manövrieren. Nimmt man ein Schiff mit weniger Tiefgang (wannenförmiger Rumpf = Missisippi Dampfer) läßt sich vielleicht die eine oder andere Untiefe einfach überfahren. Liegen viele Klippen dicht beieinander ist wiederum ein wendiges manovrierfähiges Schiff von Vorteil. Das wendige Schiff hat dafür aber wieder mehr Tiefgang als ein Schiff mit wannenförmigen Rumpf. Liegen Klippen und Untiefen im Weg sind vielleicht mehrere kleine, wendige Schiffe gegenüber einem großen im Vorteil. Mit mehreren kleinen Schiffen wäre ein Kompromiss zwischen Wendigkeit und geringem Tiefgang gefunden. Hinzu kommt jetzt die Schwierigkeit die Schiffe zu koordinieren um die Flotte z.B. bei Nebel zusammenzuhalten. An diesem Beispiel wird deutlich, daß aus einer möglichst objektiven Bewertung der Risiken sich meist auch Ansätze für Gegenmaßnahmen zur Beherrschung oder Vermeidung derselben ergeben. Ein systematisches Risikomanagement wird leider in vielen Projekten sträflich vernachläßigt. Meist steht der Aspekt Resourcen – Planung zu stark im Vordergrund. Im Bild der Schiffsreise gesprochen wird oft zu viel Zeit auf die Katalogisierung der Ladung verschwendet und dabei der Blick auf die Seekarte vergessen.

Bilanz des Misserfolges

Die Erfolgsbilanz von IT-Projekten ist ernüchternd. Die Erfolgsquote liegt, abhängig von der jeweiligen Untersuchung, nur zwischen 20 und 45%. Die Verfeinerung von Projektmanagment-Methoden und Vorgehensmodellen in den letzten Jahren hat an dieser Situtaion nichts geändert. In Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim haben wir eine der gößten Untersuchung im deutschsprachigen Raum zu Erfahrungen in IT-Projekten durchgeführt. Hier wurde erstmalig das Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen Projekterfolg und Teameffizienz bzw. Kommunikation gelegt.

Hierzu wurden konkrete, persönliche Erfahrungen der Projektbeteiligten erfragt. Im Rahmen einer Online- Befragung wurden neben Daten zum Projekt auch Faktoren wie Arbeitsklima, Verläßlichkeit im Team u.a. abgefragt.

Die Ergebnisse legen folgende Schlußfolgerungen nahe: Projekte scheitern nicht an der Technik sondern an fehlender Kommunikation und fehlendem Vertrauen in den Projekt-Teams. In großen Projekten wird die Situation durch gruppendynamische Effekte weiter verschärft. Bilanz des Misserfolgs (PDF 155 KB) Projekt-Management RT fokussiert auf diese kritischen Faktoren und macht aus Risiken neue Chancen.