Sowohl in der Artikelreihe über die Projektmanagement-Checklisten als auch in der Fortsetzung zu den kulturellen Fragen ist jetzt die Kommunikation an der Reihe. Wieder einmal lohnt es sich über den Zaun zu schauen und Modelle, die von Soziologen und Psychologen entwickelt wurden, näher zu betrachten. Ich beginne mit einem minimalen Kommunikationsmodell. Es gibt Sender und Empfänger und eine Botschaft, einen Kommunikationskanal sowie einen Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsmechanismus. Verschlüsselung ist hier in einem sehr weiten Sinne gebraucht, selbst einfache Sprachbotschaften sind bereits verschlüsselt, das heißt der Sinn einer Botschaft lässt sich trotz des im Wortlaut bekannten Klartextes nicht immer rekonstruieren. Durch die unterschiedlichen Farben der Botschaft in der Grafik auf Empfänger- und Senderseite ist schon angedeutet, dass die Entschlüsselung der menschlichen Kommunikation nicht immer reproduzierbar funktioniert. Nicht umsonst gibt es in der Sprache Metaphern wie “etwas in den falschen Hals bekommen”, diese Metapher steht offensichtlich für eine “falsche” Entschlüsselung einer Botschaft. An einem Beispiel wird es deutlich. Ein Ehepaar sitzt am Tisch beim Essen. Er sagt “Da ist etwas Grünes in der Suppe”, sie antwortet “Wenn es Dir nicht schmeckt, kannst Du wo anders essen.” Um diesen Wortwechsel zu verstehen lohnt ein genauer Blick auf die möglichen Inhalte einer Botschaft. Jede Botschaft enthält 4 Aspekte. Eine Sachinformation, einen Appell an den Empfänger der Botschaft, einen Bezug auf die Beziehung zwischen Empfänger und Sender sowie ein Stück Selbstoffenbarung. Der verhängnisvolle Satz “Da ist etwas Grünes in der Suppe.” sieht in der vollständigen Darstellung der Botschaft eventuell so aus: Ob dieser Satz wirklich so “neutral” gemeint war sei dahingestellt. Es handelt sich schließlich um ein Beispiel. Auf der Empfängerseite kann der gleiche Wortlaut völlig anders entschlüsselt werden. Und wieder wird nach den 4 Aspekten getrennt aufgeschlüsselt: Die Reaktion der Frau “Wenn es Dir nicht schmeckt, …” passt dann zu der gezeigten Aufschlüsselung. In diesem sehr plakativen Beispiel ist das Verhältnis zwischen Sach- und Beziehungsebene auf Sender- bzw. Empfängerseite sehr unterschiedlich, dementsprechend heftig ist das Missverständnis bzw. die Fehlinterpretation der Botschaft. Nun ließe sich argumentieren, dass solche groben Fehlinterpretationen in der geschäftlichen Projektkommunikation nicht relevant sind. Das ist zum Teil richtig, diese groben Fehlinterpretationen sind allerdings nicht wirklich gefährlich. Diese lassen sich relativ schnell als Missverständnis entlarven. Viel gefährlicher sind die Botschaften die nur teilweise missverstanden wurden, in diesen Fällen verblieben beide Seiten in der irrigen Annahme, dass sie sich verstanden hätten. Der Mann aus dem Beispiel hat mit Sicherheit nicht das Gefühl, dass er verstanden wurde und wird das Missverständnis aufklären wollen und können. Wenn beide Seiten annehmen sich verstanden zu haben, wird das Missverständnis unentdeckt bleiben und kann im Laufe der Zeit weitere Missverständnisse nach sich ziehen. Es bleibt festzuhalten, dass jede Botschaft auf Sender und Empfängerseite durch einen vierfachen Filter läuft. Das etwas ausführlichere Bild des Kommunikationsmodells sieht also folgendermaßen aus: Die Betonungen der verschiedenen Aspekte einer Botschaft sind individuell unterschiedlich. Sehr “sachliche Menschen” haben in ihren Botschaften einen hohen Anteil an Sachinformation. Emotionale Menschen haben ggf. einen höheren Selbstoffenbarungsanteil. Obwohl zwei Menschen im Projekt das gleiche sagen kann ihre Botschaft etwas anderes bedeuten. Hinzu kommt noch, dass die Gewichtung der 4 Seiten einer Botschaft von der Projekt- und Gruppen Situation abhängt. Auf diesen Aspekt geht ich hier ein.