Das Zitat in der Ãœberschrift stammt von Immanuel Kant und da ist was wahres dran. Im Projektmanagement werden Erfahrungswerte gerne hochgehalten. Wenn ich meine “Erfahrungen” aus 20 Jahren Projektgeschäft Revue passieren lasse bemerke ich, dass ich immer wieder der Versuchung erlegen bin bereits meine Wahrnehmung als Erfahrung anzusehen. Der Versuch gute Wahrnehmungen im nächsten Projekt zu wiederholen mag ein paar Mal gelingen, irgendwann kommt aber ein Projekt in dem alles anders ist. Die bisherigen guten Wahrnehmungen, Ansätze und Methoden werden dann plötzlich kontraproduktiv. Jetzt ist der Punkt erreicht an dem es spannend wird – jetzt kann das Verstehen beginnen. Das klingt trivial ist es aber nicht. Auch beim Versuch des Verstehens wird man leicht ein Opfer der eigenen Wahrnehmung. Beispiel gefällig? Vor einigen Jahren führte ich im Rahmen eines Seminars an der Uni Mannheim eine Untersuchung (Online-Befragung) zu Erfolgsfaktoren in IT-Projekten durch. Der Fragebogen enthielt viele wohl durchdachte Fragen mit denen ich meine Hypothesen zu bestätigen gedachte. Eine dieser Hypothesen entstand in den Jahren zuvor, in denen ich gute Erfahrungen mit flexiblen Kombinationen von Vorgehensmodellen gemacht hatte. Die erhoffte Bestätigung, dass der Einsatz von bestimmten Vorgehensmodellen zu erfolgreicheren Projekten führt, blieb jedoch aus. Egal wie die Daten ausgewertet wurden, es konnte letztendlich nur eine Aussage mit gutem Gewissen getroffen werden: “Es ist völlig egal welches Vorgehensmodell eingesetzt wird”. Kaum zu glauben! In verschiedenen Folgeuntersuchungen, in denen besser nach Projektgrößen, Laufzeiten usw. aufgeschlüsselt wurde, zeigte sich dann ein differenzierteres Bild. Die so genannten weichen Faktoren (Kommunikation und Teamqualitäten) rückten dabei zunehmend in den Mittelpunkt, ein plausibles Bild entstand aber immer noch nicht. In vielen Gesprächen mit Projektleitern und Mitarbeitern sammelten sich weitere Anhaltspunkte für Erklärungen. Diese Anhaltspunkte liefern dann die Fragestellungen für die nächste Runde der Wahrnehmungs-Sammlung. Diese nächste Runde läuft jetzt gerade. Es ist wieder mal ein Fragebogen online mit dem Fakten und Wahrnehmungen aus Projekten gesammelt werden. Menschen, die in einem Projekt gearbeitet haben, das im Jahr 2009 abgeschlossen wurde, können den Fragebogen für ein konkretes Projekt ausfüllen. Die Qualität der Erkenntnisse steht und fällt mit der Anzahl der Projekte und jede Wahrnehmung ist wichtig. Je mehr Wahrnehmungen es sind desto eher lässt sich etwas verstehen. Mitmachen kostet nur 10 Minuten, neben der Erkenntnis (aus den Auswertungen) gibt es auch eine Reihe von Amazon-Einkaufsgutscheinen zu gewinnen. Weitere Informationen zur Umfrage gibt es hier. Ein Teil der Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchungen wurde in der Zeitschrift OBJEKTspektrum, Ausgabe 02/2010 veröffentlicht: Warum Projektteams erfolgreicher sind als Projektgruppen. Das PDF des Artikels kann frei herunter geladen werden.