Warum sind Leak-Organisationen wichtig?

Ich möchte den vorangegangen Beitrag noch ergänzen. Eine alternative Ãœberschrift für diesen Beitrag könnte wie folgt lauten: “Warum ist Transparenz wichtig? bzw. was haben künftige Leak-Organisationen mit Transparenz zu tun. Wesentliche Elemente einer Demokratie sind Gewaltenteilung und Transparenz. Ohne Transparenz verliert die Gewaltenteilung ihren Sinn. Ein Teil dieser Transparenz muss von den Medien hergestellt werden. Es gibt herausragende Beispiele bei denen z.B. die Presse mit investigativem Journalismus und durch die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten strafbare Handlungen aufgedeckt hat1. Aus der Aufdeckung von Fehlverhalten erwuchs ein politisches Korrektiv. Die Presse verdiente sich damit den Ehrentitel der “vierten Gewalt im Staat”. Diese vierte Gewalt ist kein konkretes mediales Erzeugnis. Die Transparenz ist die vierte Gewalt. Sie hat gewissermaßen verschiedene und wechselnde mediale Formen: Presse, Fernsehen, Wikis, Blogs usw. Dahinter stehen eine Vielzahl von Menschen und Organisationen: Verlage, Fernsehsender, Stiftungen, Organisationen, Einzelpersonen. Wikileaks ist einer der neueren Formen, hat ein Stück Transparenz hergestellt und vielleicht nur deshalb die Aufmerksamkeit bekommen, weil ein Teil der etablierten Medien die 4.Gewalt-Funktion nicht mehr wahrnehmen kann oder will. Wie auch immer die Auseinandersetzung um Wikileaks ausgehen wird, es wird Nachfolge-Organisationen und Plattformen geben, die versuchen werden einen Teil der notwendigen Transparenz zu erhalten bzw. wieder herzustellen. In der Auseinandersetzung um Wikileaks geht es um mehr als um eine konkrete Internet-Plattform oder eine konkrete Person. Ich enthalte mich hier bewusst einer Bewertung der kursierenden Vorwürfe oder der internen Vorgänge bei Wikileaks möchte aber einen Punkt zu bedenken geben: Richard Nixon war seinerseits während der watergate-Affäre von der Enthüllungsarbeit der Washington Post2 sicher auch nicht begeistert. Nachtrag: Meine gefühlten Meinung zu diesem Thema habe ich in einem Kommentar aufgeschrieben.
  1. Hier wäre z.B. die watergate-Affäre zu nennen. Die beteiligten Journalisten erhielten damals sogar den begehrten Pulitzer-Preis. []
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Watergate-Aff%C3%A4re []

8 thoughts on “Warum sind Leak-Organisationen wichtig?

  1. Danke für Deine Antwort.

    Die reine Information ist das eine, erst die Hintergrundinformation schafft die echte Transparenz.

    Mir ist die Tage klar geworden, dass nur “echte” Informationen “echte” Transparenz schaffen kann. Nur hätte ich es vorher nicht als Transparenz bezeichnet.

    Hintergrundinformation die einen Kontext schafft. Der Kontext schafft den Rahmen für Eigen-interpretation und -spekulation und beengt ihn gleichzeitig.

    Wie oft wird eine Meldung aus einer Teilinformation gemacht. Der Kontext weggelassen oder erst gar nicht recherchiert? Wie oft setzen wir selbst in unseren Gesprächen “zuwenig” Bezüge?

    Das größte “Problem” sehe ich allerdings nicht in der Transparenz, sondern in der Frage “Wieviele Menschen können mit der meist vorhandenen Unsicherheit und Unsicherheit umgehen?” Ist es u.a. der oft fehlende Kontext, welcher Unsicherheiten erst auslöst? Antworten habe ich darauf keine. Nur Ahnungen.

  2. @antiferengi … danke für den sehr ausführlichen und wertvollen Kommentar.

    Deinen Satz:

    Ich unterstütze wikileaks und vielleicht auch bedingt ähnliche Plattformen bis zum Punkt, wo diese Dinge sich selber zur Ideologie erklären. Ab diesem Punkt, gilt es auch hier, die Augen offenzuhalten.

    unterschreibe ich zu 100%.

  3. Ich mag generell diese Art von polarisierenden Grabenkriegen nicht. Aber wie es im Moment aussieht, wird wohl nichts anderes übribbleiben als wikileaks zu unterstützen. Die hierdurch produzierten Bilder über Dokumente könnten tatsächlich etwas ausbremsen, bzw. vielleicht sogar beeinflussen, was, wenn man es weiterlaufen lassen würde, weitaus größeren Schaden anrichten würde. Im Moment passiert eigentlich dadurch nichts anderes, als dass, was eigentlich der Job der gesamten Medien im vergangenen Jahrzehnt gewesen wäre. Dies wäre die Verhältnismäßigkeit, unter der ich es sehe.

    Vom Personenkult um einen Assange halte ich auch nichts. Mittlerweile wird gar vom digitalen Robin Hood gesprochen. Aber ich denke, bei dem amerikanischen reaktionären Aktionismus auf dem Niveau einer Sarah Palin, kann man fast nur noch mit Kitsch und Pathos gegen reagieren.

    Bedenken sollte man allerdings, das auch Transparenz nur ein Pol von zwei Möglichkeiten ist, der gerade besonders nötig ist. Auch aus Transparenz kann man ein Dogma machen. Hierbei sei ans gute alte Postgeheimnis erinnert. Ein ehernes Vertrauen für die Möglichkeit jedes einzelnen zur Wahrung der Privat- und Intimsphäre. Zudem muss auch der nicht unerhebliche Umstand erwähnt werden, dass hier lediglich in den seltensten Fällen Hacker am Werk sind. Der größte Teil, sind zur Illoyalität motivierte Arbeitnehmer, die Daten weitergeben. Auch dies, kann ab einer gewissen Größenordnung sich zu einer gesellschaftsweiten Akzeptanz entwickeln, die nach hinten los geht.

    Zudem werden auch leak-plattformen nicht alleine bleiben. Bereits jetzt überlegen viele, wie man mehr daraus machen kann. Und wie jede Idee, wird auch diese geklont werden, und es lassen sich Geschäftsmodelle daraus entwickeln, mit denen man auch Geld verdienen kann. Zum gerade laufenden Cyberkrieg, möchte ich hier tatsächlich, (man glaubt es nicht), einen Artikel vom
    Spiegel anhängen. Jetzt wo es ihn selber betrifft, schafft er zumindest mal eine gewisse Qualität hinzubekommen. (Und macht natürlich gleich eine ganze Schlagzeilenreihe daraus 😉
    Ich schließe mich dem Artikel aber nicht an, – weil er Ausweglosigkeiten nur Beschönigungen über Sachlichkeit entgegenbringt, aber die Gedankengänge dahinter sollten überlegt werden. Zudem bin ich ob des doch allzu oft anzutreffenden blindem undifferenzierenden Spontanaktionismus verschiedener Netzkreise, stellenweise sehr vorsichtig.

    Meine Einstellung ist generell. Ich unterstütze wikileaks und vielleicht auch bedingt ähnliche Plattformen bis zum Punkt, wo diese Dinge sich selber zur Ideologie erklären. Ab diesem Punkt, gilt es auch hier, die Augen offenzuhalten.

  4. sorry, dass ich so verspätet antworte, bin zur Zeit tagsüber kaum online.

    @Esther … Transparenz ist vielleicht nicht gleich Transparenz. die reine Information ist das eine, erst die Hintergrundinformation schafft die echte Transparenz. Mir fällt da eine regionale Affäre ein, bei der 2 Geschäftsführer hohe Gehälter abkassiert haben, die reine Zahl war letzendlich ohne Bedeutung, erst nachdem öffentlich wurde, dass sich das Gehalt rein nach dem Umsatz (nicht nach dem Gewinn) der GmbH bemaß wurde einiges klar.

    @Marcello … erst mal hallo 🙂 ich wusste gar nicht, dass Du hier im beruflichen Blog mitliest.

    Das dabei beobachtete Verhalten nämlich zeigt mir deutlicher und komplexer den Stand der Dinge bzw. der gesellschaftlichen Verfassung, als nur die in die Öffentlichkeit entlassene Information.

    Das ist ein sehr wichtiger Gedanke. Ich denke gerade an das Köhler Zitat und seine Wirkung, wenige Woche später spricht Guttenberg noch deutlicher aber die Reaktion bleibt aus … hier ist mehr aus der Reaktion zu lernen :-/

  5. Für mich haben solche Skandale immer zwei Aspekte, die mich sehr interessieren. Davon ist der eine, nämlich die ans Licht gebrachte Information, oft nachgeordnet dem anderen, der dank der großen Aufregung zeigt, wie die Gesellschaft (Medien, Politiker, Moralisten, Lobbyisten, Industrie und Wirtschaft, Wendehälse, Intellektuelle, Anarcho- und Subkulturen, Religiöse, der Nachbar, …..) damit umgeht. Das dabei beobachtete Verhalten nämlich zeigt mir deutlicher und komplexer den Stand der Dinge bzw. der gesellschaftlichen Verfassung, als nur die in die Öffentlichkeit entlassene Information.

  6. Ich persönlich formuliere die Frage so: “Warum ist die Bereitschaft zur Transparenz so wichtig?”

    Irgendwo habe ich mal gehört, dass das Hochschießen der Managergehälter etwas mit der beginnenden Veröffentlichung der Jahreseinkommen diverser Manager zu tun gehabt hätte. So nach dem Motto: “Wenn der soviel Wert ist – bin ich es auch.”
    Ob dies wirklich der Fall war, weiß ich nicht.

    In diesem Zusammenhang gehe ich der Frage noch, ob und ggf. wie Transparenz auch “ungewollte” bzw. “eher schädliche” Auswirkungen haben könnte.

  7. Ich möchte noch einen persönlichen Kommentar anfügen und diesen bewusst vom Beitrag trennen. Der entstehende Personenkult um Julian Assange ist mir höchst spuspekt, genauso wie es die Terroristen Vergleiche sind, die in den USA geäußert werden. Ebenso geht es mir mit der Hatz bzgl. der Vergewaltigungsvorwürfe. Alles in allem scheint mir die ganze Auseinandersetzung von fehlender Verhältnismäßigkeit vieler Beteilgter geprägt zu sein. Ja – ich sehe sowohl das Verhalten von amazon oder paypal als auch die als Retourkutsche durchgeführten DoS auf deren Webseiten als unverhältnismäßig und falsch an. Ich wünsche mir auch von Wikileaks selbst mehr innere Transparenz. Den propagierten “cyber-war” halte ich schon vom Begriff her für falsch und lehne ihn ab.

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