Ein Stück weit beziehe ich mich auf die Beiträge von Stefan Hagen im Projektmanagement-Blog (Beitrag 1, Beitrag 2). Ausgangspunkt der dortigen Diskussionen war die provokante und verkürzte These dass, Projektmanagement = Management wäre. Dementsprechend ausführlich und auch widersprüchlich war dann die Diskussion. Im Nachgang hat mich die Frage beschäftigt wie es zu der durchaus vorhandenen Begriffsverwirrung kommt. Ich sehe dies inzwischen als Resultat einer Ãœberhöhung des Manager-Begriffs. Der Manager ist überspitzt formuliert der Leitungsträger und Heilsbringer der Leistungsgesellschaft. Projekte werden heute nicht mehr geleitet sondern gemanaged, also brauchen wir Projektmanager, die genauso wichtig sind wie richtige Manager. Unternehmerisch denken müssen beiden, also wird der Unternehmer auch noch in den Topf geworfen. Genug der Ironie – die drei wesentlichen Akteure sind jetzt benannt:
  • Unternehmer
  • Manager
  • Projektleiter
Dass es Ähnlichkeiten der Tätigkeiten und Anforderungen an diese Akteure gibt ist klar. Ich möchte aber bewusst eine Abgrenzung der Begriffe versuchen. Für die Abgrenzung verwende ich unter anderem folgende Aspekte:
  • Der Unternehmer trägt Gesamt-Risiko und wirtschaftliche Verantwortung.
  • Unternehmer beschäftigen Manager.
  • Ein bestehendes Geschäft muss gesteuert und optimiert werden und sollte so lange es der Markt erlaubt profitabel sein.
  • Projekte sind in größere Kontexte eingebettet.
  • Projekte haben eine begrenzte Laufzeit.
  • Ein Projekt liefert ein Ergebnis an den Auftraggeber.
  • Ein Projekt ist nicht profitabel, lediglich aus dem Ergebnis des Projektes lässt sich (manchmal) ein profitables Geschäft machen.
Risiko und wirtschaftliche Verantwortung sind für mich der wesentliche Unterschied (und das größte Missverständnis) zwischen einem Unternehmer und einem Manager. Die mächtigsten Manager, die Milliarden Umsätze verantworten selbst Millionen-Gehälter beziehen tragen keine persönliche wirtschaftliche Verantwortung. Ein guter Manager hat in seinem Vertrag eine Klausel stehen, dass der Arbeitgeber eine Versicherung1 abschließt, die für die wirtschaftlichen Schäden, die er eventuell anrichtet aufkommt. Der klassische Unternehmer steht jedoch auch mit seinem Privatvermögen in der Verantwortung. Der Manager optimiert im Auftrag des Unternehmers ein bestehendes Geschäft. Der Unternehmer hat das Geschäft aufgebaut und baut ggf. weitere Geschäfte auf. Der Unternehmer arbeitet kreativer, der Manager steuernd und kontrollierend. Controlling ist der Partner des Managers nicht des Unternehmers. Aus Controlling Sicht wären viele Unternehmen gar nicht erst entstanden. Und wo verstecken sich das Projekt und der Projektleiter? Die kleinen Mosaiksteinchen werden leicht übersehen. Der Projektleiter ist immer (!) in einen größeren Kontext eingebettet. Er erhält einen Auftrag vom Unternehmer oder Manager. Auch wenn Projekte häufiger, größer und wichtiger werden bleiben Sie doch immer Teil eines größeren Ganzen. Der Projektleiter liefert ein Ergebnis, danach wird das Projekt beendet. Das Projekt kann in gewisser Weise die Früchte seiner Arbeit nicht ernten. Projekte können zwar Bausteine für den Aufbau eines neuen Geschäftes sein sind aber nicht das neue Geschäft selbst. Dieses Kleinreden von Projekten aus dem Munde eines Projektleiters mag sich seltsam anhören. Ich bin jedoch der festen Ãœberzeugung, dass ein “größer reden” der Projekt-Disziplin nicht weiter hilft. Dass sich die drei Aspekte (Unternehmen, Management, Projekte) überlappen und Gemeinsamkeiten haben liegt auf der Hand, man sollte aber gelegentlich den Blick schärfen und auf die Ecken des Diagramms schauen und nicht in der Mitte einen Einheitsbrei anrühren.
  1. http://www.finanzberatung-versicherungsvergleiche.de/vergleich_sachversicherungen/managerhaftpflicht_D&O_haftpflicht_versicherung.htm []