“Warum denken nicht alle mit?” Diese Frage ist als Stoßseufzer in manchen Projekten zu hören. Sei es im Verlaufe des Projektes wenn Mitarbeiter Dinge tun, die sich das Management anders gedacht hat, oder gegen Ende des Projektes wenn bisher Außenstehende mit dem Ergebnis des Projektes arbeiten sollen. So verständlich dieser Stoßseufzer sein mag sollte man nicht aus dem Blick verlieren, dass es oft gute Gründe für das scheinbare “Nicht-Mitdenken” gibt. Lösungen sind nicht eindeutig. Die elementare Mathematik hat es einfacher. Eine Rechenaufgabe hat eine eindeutige Lösung. In Projekten ist es leider anders. Auftretende Probleme, die noch nicht in Arbeitspaketen beschrieben sind, können auf verschiedene Weise gelöst werden. Wenn sich die Lösung der Mitarbeiter von der management-gedachten Lösung unterscheidet, haben nicht Mitarbeiter versäumt “mitzudenken”, sie haben lediglich eine andere Lösung gefunden. Unvollständige Information. Wenn nicht alle Beteiligten über die gleichen Informationen verfügen ist es zwangsläufig, dass unterschiedliche Gedankengänge entstehen. Wiederum wird nicht versäumt “mitzudenken”. Vielmehr werden Mitarbeiter durch unvollständige Informationen auf falsche Fährten gesetzt. Gedankenfreiheit. Dieses Stichwort klingt provozierend ist aber wichtig. Wie wird mit abweichenden Gedanken umgegangen? Werden abweichende Ideen positiv, konstruktiv aufgenommen oder haben Mitarbeiter Konsequenzen zu fürchten? Manch einem, der nicht mitdenkt ist es schlicht und ergreifend über die Jahre hinweg ausgetrieben worden mitzudenken und andere Gedanken zu riskieren. Angst. Projekte bringen immer etwas Neues. Veränderung erzeugt Unsicherheit oder Angst. Manchmal kann die Angst lähmend sein und ein Mitdenken verhindern. Wenn alle genannten Faktoren zusammen kommen grenzt es am Ende sogar fast an ein Wunder wenn überhaupt “mitgedacht” wird. Letztendlich ist das “Ermöglichen des Mitdenkens” eine Führungsaufgabe, die mit der Bereitstellung von Information beginnt, die Schaffung einer “Gedankenfreiheit” einschließt und einiges an Fingerspitzengefühl erfordert. Epilog 😉 Ein kurzes Video über einen Mönch, der nach der Einführung des Buches mit seinem Support zu tun hat. Der Supporter stößt möglicherweise auch den obigen Stoßseufzer aus.