Anschläge in Paris. Der morgendliche Blick in die Nachrichten erschreckt mich zutiefst. Gefühle überschwemmen mich. Vermutungen zu Hintergründen gehen mir durch den Kopf. Fakten sind in der Flut der Sensationsberichte kaum zu finden. An wenigen Stellen werden Zeugenaussagen erwähnt, dass die Angreifer “Für Syrien” gerufen haben. Es könnte sein, dass es sich bei den Angriffen um eine Racheaktion für die französischen Luftangriffe in Syrien handelt. Ich bemerke an mir selbst, dass mich die Berichte verunsichern. So nah haben sich Anschläge noch nie angefühlt. Mit dem TGV kann ich in 3 Stunden nach Paris fahren. Ein Bekannter ist gerade in Paris und informiert uns, dass er in Sicherheit sei. Das verstärkt das Gefühl der Bedrohung noch einmal. Im ersten Moment scheint die Formulierung “beispiellos”, die Präsident Hollande verwendet, Sinn zu machen. Aber es stimmt nicht. Der Schrecken ist nicht beispiellos. Der Schrecken, mit dem wir die Welt überziehen, nähert sich lediglich unserer Haustür. Es gibt unzählige Beispiele des Schreckens. Wenn überhaupt darüber berichtet wird, lassen sich die Meldungen leicht verdrängen, weil die Orte des Geschehens weit entfernt sind. Warum schreibe ich das? Ich möchte nicht relativieren und aufwiegen. Ich spüre aber deutlich, dass unbarmherzige Antworten falsch sind. Auch ein Verharren im Schrecken ist nicht die Lösung. Für heute nachmittag haben wir bei uns in der Nähe einen interkulturellen Workshop mit refugees geplant. Einen kurzen Moment dachte ich daran ihn abzusagen. Aber es wäre falsch. Es ist besser Zeichen der Versöhnung zu setzen als zurückzuweichen oder gar an der Gewaltspirale mitzudrehen.