Die Retrospektive ist ein unverzichtbarer Bestandteil agiler Vorgehensweise. Im klassischen Projektmanagement gibt es schon die „lessons learned“. Wenn ohnehin iterativ gearbeitet wird (siehe vorangegangener Beitrag) ist es scheinbar ein Leichtes regelmäßig nach Abschluss einer Iteration einen Lernschritt einzufügen und zu fragen: „Was war gut?“, „Was können wir verbessern?“. Aus den Ergebnissen der zweiten Frage lassen sich Experimente definieren, die während der nächsten Iteration durchgeführt und danach geprüft werden. Hat sich ein Experiment bewährt, wird es in den Ablauf übernommen. Das hört sich leicht an, ist es aber nicht. Es ist wesentlich, dass sich jene Menschen die Fragen nach den Verbesserungen stellen, die die Arbeit getan haben. Insbesondere die Entscheidung über das Experiment muss von den Arbeitenden getroffen werden. Die hierfür notwendige Entscheidungsfreiheit ist die erste wirklich große Hürde auf dem Weg zur Agilität. Wird den Menschen zugestanden, dass sie Abläufe ändern, oder schreiten Prozess- und Qualitäts-Einheiten bzw. Vorgesetzte ein? Wenn diese Autonomie nicht gewährt wird, kann man echte Agilität vergessen. Die Vision eines Hochleistungs-Teams bleibt dann Illusion. Es ist sogar noch schlimmer. Pseudo-Retrospekiven, in denen Ansätze zur Verbesserung gefunden werden, die danach nicht umgesetzt werden können, sind außerordentlich demotivierend. Dann ist es sogar besser, auf die Retrospektiven ganz zu verzichten. Die Autonomie des Lernens ist die notwendigste Bedingung für Agilität.