Schlagwort: Führung

Keine neuen Muster ohne Werte

Keine neuen Muster ohne Werte

Für das PM Camp Dornbirn haben wir dieses Jahr das Thema Muster brechen gewählt. Einen ersten Gedankengang über eine erweiterte Bewertung des Projekterfolges hatte ich hier bereits formuliert. Das Wort Bewertung enthält den gedanklich sehr sperrigen Wortstamm „Wert“. Vor dem PM Camp findet auch noch das EnjoyWorkCamp statt, bei dem es sich um neue, menschlichere Lebens- und Arbeitswelten dreht. Auch hier lande ich gedanklich sehr schnell bei dem Begriff Wert(e).

die Spülmaschine oder neulich in der Projekt-Küche

die Spülmaschine oder neulich in der Projekt-Küche

gab es keine sauberen Kaffeetassen mehr. Der Schrank war leer, die Spüle war voll, die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt. Was tun? Für manch einen mag das eine knifflige Frage sein. Ich für meine Person habe die sauberen Tassen aus der Maschine ausgeräumt, die Maschine neu mit den dreckigen eingeräumt um mir danach eine Tasse frisch zu befüllen. Während meines Tuns kam ein Kollege in die Küche und drückte seine Verwunderung aus einen Projektleiter in der Küche hantieren zu sehen. Offensichtlich ist das Modell des Projektleiters / Managers, der sich sprichwörtlich und real nicht die Hände schmutzig macht, immer noch weit verbreitet. Es geht hier mitnichten nur um dreckige Kaffeetassen. Ich wünsche mir auch nicht, dass ein Vorstandsvorsitzender den Hof fegt. Es geht um die grundsätzlich Bereitschaft im Kollegenkreis in dem man sich täglich bewegt auch Service-Aufgaben zu erledigen, anstatt im Bewusstsein einer höheren Funktion dies zu unterlassen. Wir sollten die Ära des lametta-tragenden “Ich muss das nicht machen” Managements allmählich hinter uns lassen.
Bittere Wahrheiten über die Begrenzheit mancher Maßnahmen …

Bittere Wahrheiten über die Begrenzheit mancher Maßnahmen …

Ein sprichwörtliches Gebet lautet: Gib mir die Kraft Dinge zu ändern, die ich ändern kann, gib mir Geduld Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann, und gib mir die Weisheit beides voneinander zu unterscheiden. An dieses Sprichwort musste ich denken, als in einem Projekt über Wochen hinweg die Arbeitsatmosphäre immer schlechter wurde. Dabei waren die Arbeitsergebnisse gut, die anvisierten Termine waren haltbar. Allerdings waren die Rahmenbedingungen unsicher, wichtige Entscheidungen wurden über Wochen hinweg verschoben. Gute Lösungen und ebenso tragfähige “Pläne B” starben in der Wartezeit dahin. Die Frage “Warum machen wir das” geisterte zuerst leise über die Flure, wurde im Laufe der Zeit immer lauter ausgesprochen. Das vorhandene Wir-Gefühl bröckelte von Tag zu Tag. Irgendwann stand dann die Idee der motivierenden Maßnahmen im Raum. So verheißungsvoll eine rettende Maßnahme auch erscheinen mag. Solange es an den demotivierenden Rahmenbedingungen keine Änderung gibt, wird sie ins Leere laufen und im Endeffekt für noch mehr Frustration sorgen. Und wenn der Schmerz angesichts der Situation noch so groß ist und der Kopf voller Methoden und Ideen steckt, muss die Situation ertragen werden. Einzelne schmerzlindernde Aktionen sind hilfreich mit der echten “Teamtherapie” muss aber gewartet werden, bis die ausstehenden Entscheidungen fallen und genügend Rahmenbedingungen wieder sichtbar werden.1 In diesem Moment kann dann so etwas wie ein Zwischen-Kickoff ein Startpunkt für konstruktive Veränderung der Teamdynamik sein. Insofern könnte man das Gebet um die Zeile ergänzen: … und gibt mir klare Sicht den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen.
  1. Gelegentlich wird von guten oder schlechten Rahmenbedingungen gesprochen. Je nach Blickwinkel kann die Einschätzung welche die “Guten” sind aber sehr unterschiedlich sein. Das eigentliche destruktive Element ist das Fehlen von Rahmenbedingungen. []
Entscheidung, Zweifel und Verantwortung

Entscheidung, Zweifel und Verantwortung

In einem ganz anderen als dem Projekt-Kontext habe ich mich kürzlich mit dem Begriff des Zweifels auseinandergesetzt. Die drängende Frage war ob Zweifel Validität oder Wert von Entscheidungen und Handlungen mindern. Ich denke “Nein”. Zum Ersten glaube ich nicht, dass schnell und sicher vorgetragene Entscheidungen zweifelsfrei sind. Entscheidungsstärke gehört zum Idealbild von Führungskräften. Der Wunsch dem Idealbild gut zu entsprechen verleitet möglicherweise dazu Zweifel zu kaschieren. Zum Zweiten kann ich dem bewussten Zulassen eines Zweifels etwas Positives abgewinnen. An anderer Stelle hatte ich schon geschrieben, dass Verantwortung mit der Bereitschaft Antworten zu geben zusammenhängen. Zweifel im Vorfeld einer Entscheidung sind in diesem Sinne vorweggenommene Frage-Antwort-Szenarien. Und wie ist das mit “zweifelsfreien” Punkten? Wenn etwas zweifelsfrei feststeht, bedarf es genau genommen keiner Entscheidung. Die Formulierung “steht zweifelsfrei fest” habe ich allerdings schon so oft gehört, dass ich nicht umhin kann, sie als rhetorische Floskel zu betrachten. Für meinen Geschmack wird ohnehin viel zu oft und lange über angeblich “Zweifelfreies” gesprochen.
© pentaeder 2019 / 2020