Schlagwort: Projektmanagement

wir sind fast fertig

Ich werde zwischenzeitlich immer wieder darauf angesprochen was ich von den Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens halte. Einen weiteren Anstoß  etwas darüber zu schreiben lieferte mir vor einiger Zeit ein Telefongespräch, dessen Ohrenzeuge ich unfreiwillig wurde. Ein Projektmitarbeiter fragte den anderen: “Wie weit bist Du mit dem Dokument?” Die Antwort lautete: “Ich habe es fertig gemacht. Abschnitt 6, 7, und 8 fehlen aber noch, Abschnitt 2 ist noch leer. Hinten müsste man auch noch etwas ergänzen.” Ich übertreibe nicht. Das Gespräch fand genauso statt.

Das fragliche Dokument war offensichtlich noch weit davon entfernt fertig zu sein, dennoch wurde die Frage im ersten Atemzug mit einer Erfolgsmeldung beantwortet. “Ich habe es fertig gemacht.” Der Satz “Ich habe daran gearbeitet, bin aber noch lange nicht fertig” hätte die Situation deutlich präziser beschrieben. In einem Statusbericht würde sich allerdings die erste Formulierung deutlich besser machen. Im Sinne der positiven rhetorischen Selbstdarstellung ist es naturgemäß besser mit den vollbrachten Leistungen zu beginnen und die weniger positiven Punkte erst später oder gar nicht mehr zu nennen.

Was hat das mit dem Flughafen in Berlin zu tun?

Projekte in dieser Größenordnung haben in der Regel ein mehrstufiges Berichtswesen. Auf der Basis von Detailberichten werden über mehrere Stufen hinweg komprimierte Berichte erstellt. Wenn jede(r) Beteiligte nach obigem Prinzip seine vollbrachten Taten übertreibt und die Einschränkungen teilweise verschweigt kommt es zu einer fatalen Kettenreaktion. Wenn jede Ebene des Berichtswesens gemäß des Pareto-Prinzips1 also einer (80/20)% Teilung übertreibt ist schon nach 3 Hierarchie-Ebenen eine halbe Lügengeschichte entstanden. Die Berichte, die bei den Entscheidungsgremien ankommen, sind dann so verfälscht, dass eine rechtzeitige, wirkungsvolle Reaktion auf die zwangsläufig auftretenden Probleme nicht mehr möglich ist.

Die Probleme werden erst bekannt,
wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Insofern sehe ich das Problem bei derartigen Projekten nicht im methodischen Bereich sondern in der mangelnden Wahrhaftigkeit der Kommunikation.

Siehe auch: Bauprojekt im alten Ägypten

Hört mit dem Etikettenschwindel auf!

Auf die Gefahr hin zu provozieren oder den einen oder anderen zu verstimmen muss ich mir heute meinen Ärger um nicht zu sagen meine Frustration ...
Hört mit dem Etikettenschwindel auf!

wir sind fast fertig

Ich werde zwischenzeitlich immer wieder darauf angesprochen was ich von den Verzögerungen beim Bau des Berliner Flughafens halte. Einen weiteren Anstoß etwas darüber zu schreiben ...
wir sind fast fertig

Hybrides Projektmanagement ist keine Ausrede

Hybrides Projektmanagement ist in aller Munde. Der situativ passende Mix aus Methoden bzw. Elementen verschiedener Vorgehensweisen führt zum Erfolg. In einer Werbeanzeige las ich kürzlich, ...
Hybrides Projektmanagement ist keine Ausrede

#PM.Vorlesungen

Im Sommersemester 2019 halte ich an der Hochschule der Medien in Stuttgart zwei Vorlesungen über Projektmanagement: IT-Projektmanagement und „Agiles ProjektManagement“. Eine eindeutige Trennung zwischen den ...
#PM.Vorlesungen

Projekt oder »das nach vorn Geworfene«

Projekt [lateinisch proiectum »das nach vorn Geworfene«] das, -(e)s/-e, geplante oder bereits begonnene Unternehmung; (groß angelegtes) Vorhaben. Brockhaus, Projekt. http://brockhaus.de/ecs/enzy/article/projekt (aufgerufen am 2019-03-14) Dieses Zitat ...
Projekt oder »das nach vorn Geworfene«
  1. siehe Wikipedia: Pareto-Prinzip []
Zwischengedanken PM Camp Dornbirn 2016 #PMCampDOR

Zwischengedanken PM Camp Dornbirn 2016 #PMCampDOR

Anbei eine erste lose Sammlung von Gedanken, die sich im Laufe des ersten Tages in meinem Notizbuch angesammelt haben:
  • Unterscheide um zusammenzuführen.
  • Projekte sind manchmal nichts als Theaterdonner auf der vorderen Bühne einer Organisation. Die notwendige Problemlösungsarbeit findet an anderer Stelle statt.
  • Steuerung kann nur funktionieren wenn tatsächlich ein Wissensvorsprung vorhanden ist.
  • Steuerung braucht Macht.
  • Führung ist, wenn um Rat gefragt wird. Ratschläge müssen nicht befolgt werden, sonst wären es Befehle.
  • Wünsche an eine Organisation der Zukunft. Sei aufmerksam, lernfähig, fehlertolerant und robust.
  • Unterscheide zwischen Macht und Einfluss.
  • Agil, selbstbestimmt und demokratisch … das sind verschiedene und nicht immer die besseren Stiefel.
  • Unser aktuelles Verhalten wird oft von längst überholten Rahmenbedingungen geprägt
Projekt-Splitter #3: Gretchenfrage

Projekt-Splitter #3: Gretchenfrage

Aktuell arbeite ich in einem Umfeld, das gewissermaßen die Antithese zur Agilität darstellt, andererseits aber zur höchstmöglichen Agilität gezwungen ist. Damit stellt sich eine entscheidende Frage “Wie kann in statischen Organisation in Projekten agil gearbeitet werden ohne die zwangläufig auftretenden Spannungen auf dem Rücken der Mitarbeiter*innen abzuladen?” Für eine erste Antwort auf die Frage möchte ich ausnahmsweise eine technische Analogie aus der Software-Entwicklung verwenden. Bei dem genannten Problem kann das Prinzip der Kapselung helfen. Im Projekt wird agil gearbeitet, nach außen zur Organisation oder wahlweise zum übergeordneten Programm wird über wohldefinierte Schnittstellen geplant und kommuniziert. Wenn beispielweise der nach außen gültige Projektplan in Arbeitspakete mit ähnlicher Größe und Granularität gegliedert ist, kann innerhalb des Paketes agil weiter detailliert werden. Der nach außen sichtbare Plan kapselt die agilen Schritte, so wie ein API die innere Struktur einer Software verbirgt. wird fortgesetzt …
© pentaeder 2019 / 2020