Schlagwort: Selbstorganisation

Team und Führungsstil oder die Qual der Wahl

Team und Führungsstil oder die Qual der Wahl

Nicht jedes „Team“ ist für jede Aufgabe geeignet. Die innere Struktur, Führungsprinzipien und Muster können und müssen sich unterscheiden. Diese Unterschiede bedingen oder verursachen unterschiedliches Führungsverhalten. Der Feuerwehrtrupp benötigt Kommandanten das selbst organisierte Team eher Moderator*innen. Bewusste und “passende” Führungswechsel minimieren emotionalen Stress und erhöhen die Effizienz.

Welches Team für welchen Zweck?

Welches Team für welchen Zweck?

Nahezu jede Form der Zusammenarbeit von Menschen wird heute mit dem Begriff Team belegt. Aber nicht überall wo Team drauf steht, ist auch das Gleiche drin. Eine Unterscheidung der Charakteristika der Zusammenarbeit ist wichtig. Nicht jedes „Team“ ist für jede Aufgabe geeignet. Zudem unterscheiden sich die Ansätze von Leitung und Führung zum Teil erheblich.

Gestaltungsprinzipien der Arbeit

Gestaltungsprinzipien der Arbeit

tableau_schmiede_01_kleinVor kurzem hatte ich anlässlich der Beyond Project Management – Blogparade zu möglichen Entwicklungen in der Projekt- und Arbeitswelt geschrieben. Dort hatte ich einige alternative Prinzipien formuliert mit den denen sich Arbeit neu1 gestalten lässt. Diese habe ich als Diskussions-Grundlage für das bevorstehende EnJoyWorkCamp und das PM Camp in Dornbirn etwas umformuliert.

 

Fünf Gestaltungsprinzipien:

  • Kleine autonom handelnde und kooperierende Gruppen und Teams verdrängen hierarchisch organisierte und zentral gesteuerte Einheiten.
  • Kooperatives “Learning by Doing” wird wichtiger als die Anhäufung von Ausbildungsnachweisen.
  • Führungsstrukturen entwickeln sich aus der konkreten Aufgabenstellung und sind nicht mehr per Organigramm vorgegeben.
  • Nachhaltigkeit2 verdrängt die Gewinnoptimierung als oberstes Geschäftsprinzip.
  • Die Bewertung von Arbeits- und Ergebnisqualität geht über eine reine Kostenbewertung hinaus.

Eine Diskussion über diese Prinzipien möchte ich im Rahmen einer Session auf dem EnJoyWorkCamp und dem PM Camp in Dornbirn anstoßen.

Zum Titelbild: Ein Schmied repariert stumpf gewordene Bohrmeißel. Reparatur statt Neukauf und Wiederverwendung sind Prinzipien, die sich hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit verbergen können.

  1. Die derzeit dominierende Form der Arbeit würde ich so beschreiben: “Große globalisierte gewinnoptimierende Organisationen mit kleinteiligen gut kontrollierten Arbeitsschritten.” Dem stehen künftig kleine, regionalisierte, nachhaltigere und kooperativ handelnde Organisationen gegenüber. []
  2. Nachhaltigkeit im Sinne des Vorhaltens von Reserven, die eine “gesundheitliche” Stabilität ermöglichen. []
noch mehr Selbstorganisation

noch mehr Selbstorganisation

Nachdem mein letzter Beitrag zum Thema Selbstorganisation teilweise ein wenig Verwirrung gestiftet hat, möchte ich noch einige Gedanken ergänzen. Ich hoffe, dass meine Kernaussage dadurch deutlicher wird.

Die psychologische Grundlage

Wenn Menschen in überschaubaren Gruppen zusammenarbeiten entsteht Gruppendynamik. Im Bemühen um Anerkennung bzw. der Suche nach einer Rolle werden mehr oder minder heftig verschiedene Phasen der Gruppenentwicklung durchlaufen. Am Ende steht ein von der Gruppe selbst gestaltetes Führungs- / Leitungs-System. Die Gruppe hat sich selbst organisiert. Dieses Leitungssystem ist nicht statisch, sondern wird sich mit Änderungen der Rahmenbedingungen mit verändern. Die Möglichkeit auf neue Rahmenbedingungen mit einer Anpassung der Gruppenstruktur zu reagieren ist eine der herausragenden menschlichen Fähigkeiten.

Ziele und Grenzen

Die Ausbildung der gruppeninternen Struktur hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab. Sind Handlungsziele und Grenzen vorgegeben und allen bekannt wird sich die (immer vorhandene) Gruppendynamik nicht völlig frei entfalten. Die Gruppe entwickelt sich (leichter) entlang der “Leitplanken”. Ggf. werden sich andere Führungspersönlichkeiten herauskristallisieren wie im unbegrenzten Falle. Die Gruppe organisiert sich wiederum selbst, auch wenn das Ergebnis ein anderes wie im ersten Fall sein wird. Je nach dem ob eine Gruppe die Aufgabe erhält einen Chor zu bilden oder ein Fußballspiel zu bestreiten werden sich andere Führungsstrukturen herausbilden.1

Kollektive Effekte

Die bisher genannten Formen der Selbstorganisation haben ihren Antrieb in den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der beteiligten Menschen und den daraus resultierenden Konflikten. Es gibt aber noch weitere Verhaltensmuster von Gruppen, die sich besser mit der naturwissenschaftlichen Sicht der Selbstorganisation erfassen lassen. Hierbei handelt es sich um kollektive Verhaltensmuster, die mit der ohnehin vorhandenen Gruppendynamik in Wechselwirkung treten.

Mein Punkt

Die Modelle der zuletzt genannten Muster lassen sich nicht auf die psychologische Ebene übertragen. Ich halte diese Ãœbertragung, die immer öfter propagiert wird, für unmenschlich. Wenn in Systemmodellen von Objekten und Containern gesprochen wird, wenn eigentlich Menschen gemeint sind, ist das genauso entlarvend wie die “Humankapital” Terminologie.

  1. So plakativ und trivial das Beispiel mit Chor vs. Fußball klingen mag, selbst in Software-Entwicklungs-Teams kann eine leichte Veränderung der Zielsetzung erhebliche Verschiebungen im Machtgefüge der Gruppe bewirken. []
© pentaeder 2019 / 2020