Der Spruch „T E A M = Toll Ein Anderer Macht es“ ist oft zu hören. Angesichts des inflationären Gebrauchs des Begriffes „Team“ ist das kein Wunder. Nahezu jede Form der Zusammenarbeit von Menschen wird heute mit dem Begriff Team belegt. Die sprachliche englisch-deutsch Durchmischung führt zu noch mehr Unschärfe. Dass nicht jede Form der Zusammenarbeit den Begriff Team rechtfertigt lässt die Unzufriedenheit wachsen, die unter Anderem in sarkastischen Sprüchen wie dem genannten mündet. Eine Unterscheidung der verschiedenen Team-Arten ist jedoch wichtig: Nicht jedes „Team“ ist für jede Aufgabe geeignet. Zudem unterscheiden sich die Ansätze von Leitung und Führung doch erheblich.

Im Folgenden möchte ich zwischen Teams (im engeren Sinne), Mannschaften (Crews) und Trupps unterscheiden. Die Begriffe sind nicht zufällig gewählt, sie verkörpern einerseits extreme Beispiele andererseits werden damit gelegentlich verwendete Metaphern aus Sport oder Militär deutlicher. Ich möchte die Unterschiede an der Form der Aufgabenteilung, dem Führungsprinzip sowie der möglichen Aufgabenstellung beleuchten.

Der extreme Fall des Trupps ist z.B. im Militär oder in Organisationen wie Feuerwehr und Katstrophenschutz zu finden. Die Aufgabenteilung ist sehr strikt und wird gezielt eingeübt. Es ist im Einsatzfall bereits vorher entschieden und allen klar, wer welche Aufgabe übernimmt. Die Entscheidung wer die Drehleiter bedient, wer die Schläuche verlegt und wer die Leiter hoch klettert muss (!) im Vorfeld getroffen werden. Im Ernstfall ist es dafür zu spät. Diese Vorab-Entscheidung ist deshalb möglich weil ein Trupp konkrete Handlungsszenarien und definierte Abläufe hat, die eingeübt werden. Der Begriff der „Ãœbung“ ist jetzt schon zweimal gefallen. Zu Recht – er ist ein wesentliches Merkmal. Ein Trupp kann und muss üben. Die Ãœbung findet unter Anleitung eines Führers1 statt. Mit dem explizit benannten Führer gehen auch eine klare, stabile Hierarchie und eine Kommandostruktur einher.

Am anderen Ende der Skala steht ein „echtes Team“ wie es z.B. in (agilen) Projekten zum Einsatz kommt. Die Einsatz-Szenarien sind weitgehend unbekannt. Die Aufgabenteilung ergibt sich dynamisch aus den Anforderungen des Projektes. Die innere Hierarchie verändert sich in engem Zusammenspiel mit der konkreten Aufgaben- und Rollenteilung. Eine hierarchische Kommandostruktur und Vorab-Ãœbungen nützen wenig bzw. sind sogar kontraproduktiv.

Die (Fußball) – Mannschaft stellt gewissermaßen die Ãœbergangsform dar. Ãœbungen machen Sinn. Es gibt explizite Hierarchie-Positionen wie z.B. den Trainer oder den Mannschafts-Kapitän2 Die Aufgabenteilung ist vorab festgelegt kann aber in gewissem Umfang wechseln – schließlich kann und darf auch ein Verteidiger Tore schießen. In anderen Sportarten wie z.B. dem American Football ist der Abstand zum „Trupp“ geringer, hier wechseln je nach Spielsituation sogar die Spieler das Feld.

Aus diesen Merkmalen ergeben sich noch andere Unterschiede. In einem Trupp ist die Spezialisierung viel größer, dies ermöglicht in den eingeübten Situationen eine sehr hohe Effizienz. Anderseits ermöglicht die Flexibilität des „echten Teams“ den besseren Umgang mit unbekannten Situationen. Jede dieser Gruppen hat ihre Berechtigung sollte aber auch passend eingesetzt werden. Für die Projektarbeit, die oft eine Aneinanderreihung von unbekannten Situationen ist, würde ich eine Gruppe empfehlen, die so weit wie möglich einem echten Team entspricht.

  1. Auch wenn der Begriff eventuelle negative Assoziationen auslösen mag, so trifft er doch den Punkt. []
  2. Interessanterweise ist der altmodische Begriff für den Kapitän der Spielführer. []