Autor: Dr. Eberhard Huber

Agilität ist nicht New-Work

Agil ist cool, modern, menschenfreundlich, new-workig, demokratisch, selbstorganisiert und rasend schnell. Derzeit wird vieles in einen Topf geworfen, das nichts miteinander zu tun hat. Agil bedeutet im Sinne des Wortes nur “beweglich. Der Kern des agilen Manifest sind vier einfache Prinzipien

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plan

Genau genommen sind das lax formulierte Prinzipien, die einer beweglichen Arbeitsweise förderlich sind. Da steckt nichts von “New Work” oder Geschwindigkeit drin.

Es ist hilfreich sich zu vergegenwärtigen wie das agile Manifest entstand. Kluge Köpfe aus der Software-Entwicklung trafen sich um aus vielen Methoden vielleicht die beste oder eine gemeinsame zu finden. Das ist nicht gelungen, stattdessen wurde das agile Manifest als gemeinsame Wertebasis funktionierender Vorgehensweisen formuliert.

Hier wäre auch anzumerken, dass Scrum nicht “DIE agile Methode” ist, sondern nur eine von vielen, die damals diskutiert wurden. Scrum ist 6 Jahre älter als das agile Manifest.

Agil arbeiten bedeutet auf Veränderungen zu reagieren. Veränderungen können viele Ursachen haben. Ob die zu Beginn formulierten Anforderungen ungenau waren und im Laufe des Projektes präziser wurden bzw. bisher unbekannte Anforderungen hinzukommen ist völlig nebensächlich.

Die Kunst ist es, sich von ursprünglich Geplantem zu verabschieden und Neues zu beginnen. Wenn das gelingt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas Brauchbares rauskommt. Das ist eigentlich alles.

Geschwindigkeit ist eine andere Baustelle, die hängt mit der Qualität der Kooperation aller Beteiligten zusammen. Gute Kooperation zu entwickeln ist nicht immer einfach, aber mitnichten irgendeiner Methode vorbehalten. Dass manche Methoden mehr förderliche Elemente enthalten als andere ist unbestritten. Es ist jedoch ein Trugschluss, dass die Huldigung einer Methode automatisch zu gelungener Kooperation führt.

2019 / 2020 Grenze(n)

Das Jahr geht zu Ende, ein Neues, dessen Zahl sich nach Science-fiction anhört steht bevor und das Projektmagazin ruft zu einer Blogparade auf. Das Thema lautet: „Schwarmintelligenz, Kooperation und wachsendes Mindset – Brauchen wir noch Grenzen im Projektmanagement?“ Mein erster Gedanke dazu ist der folgende:

Erfolgreiche Projekte haben schon immer Grenzen überschritten oder radikaler formuliert: „Projekte sind das Mittel der Wahl um Grenzen zu verschieben“.

Insofern wäre es begrüßenswert, dass es mittlerweile auch hoffähig geworden ist, Grenzen zu überschreiten. Die Frage nach Grenzen ist meines Erachtens jedoch nicht die richtige. Eine Grenze ist mehr als eine virtuelle Linie, die überschritten werden kann:

  • Grenzen sind nicht immer nur Hindernisse.
  • Grenzen können eine Schutzfunktion haben.
  • Grenzen sollten nicht um jeden Preis überschritten werden.
  • Grenzen sind gelegentlich wie Prinzipien.

Prinzipien, Leitplanken vielleicht sogar Werte wären alternative Begriffe. Grenzen in diesem Sinne halte ich weiterhin ich notwendig. Der Frage, wie diese beschaffen sein könnten, werde ich aber erst im neuen Jahr nachgehen.

Angesichts der bevorstehenden Jahresgrenze verbleibe ich mit den besten Wünschen für das neue Jahr 2020.

Zeit und Ruhe (nicht nur) für die Feiertage

Die nebenstehende Bewertungsmatrix ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Witz. Im Kontext eines Projekt-Cartoons hatte ich die Tabelle vor einigen Jahren erstellt. Die Formulierungen basieren auf einer Glosse über die Zustände an einem Universitätsinstitut, die im Journal für nicht reproduzierbare Experimente veröffentlicht wurde. Diese Witz-Tabelle wurde in den letzten Wochen von einer ernst gemeinten Tipps-und Tricks-Sammlung aufgegriffen und verlinkt. Ganz offensichtlich wurden weder Satire-Warnhinweis noch die Tabelle gelesen. Ein Blick auf die Überschrift hat anscheinend genügt, um zu entscheiden die Tabelle zu verlinken. In Zeiten von twitter und Social Media kann das schon mal vorkommen. Für ordentliche Arbeit oder die Weiterentwicklung von Methoden ist das aber nicht hilfreich. Zudem entstehen aus solchen Kurz-Leseaktionen leicht Missverständnisse und Konflikte.

Unnötige Missverständnisse und Konflikte braucht kein Mensch.

In diesem Sinne wünsche ich mir selbst und allen Leser*innen Zeit, Ruhe und Geduld zum Lesen, Zuhören sowie angemessenem Reagieren.

Ich wünsche Ihnen / Euch ein schönes Weihnachtsfest, ruhige Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

© pentaeder 2019 / 2020