Kategorie: Projektmanagement

Risiko- und Teamorientiertes Projektmanagement in der praktischen Anwendung

Achtung Zukunft

So lautet das Motto des diesjährigen PM-Camps in Berlin. Als die Berliner Kollegen anfragten, ob ich an der Blogparade mitmache, war meine erste Antwort natürlich „Ja“. Mein erster Gedanke beim Schreiben war dann, ob ich in meinem Alter noch über die Zukunft schreiben soll. Der zweite Gedanke war, dass die Zukunft unbekannt ist und sich deshalb nicht gut zum „Beschreiben“ eignet. Warum „Achtung“? – das ist ein Warnruf. Und was hat das mit Projektarbeit zu tun? Zweifelnde Gedanken in Hülle und Fülle, die sich aber gut zum Einstieg in das Thema eignen.

Beginnen möchte ich mit einer ganz persönlichen Geschichte. Die Jahre 2018 und 2019 waren bei mir und meiner Familie persönlich und gesundheitlich sehr schwierig. Letztendlich hatte es sich Ende 2019 alles wieder zum Guten gefügt. Am Silvesterabend 2019 stellten meine Frau und ich fest, dass vieles hinter uns liegt und 2020 absehbar ein ruhiges Jahr werden würde. Dann kam Corona, wir waren beide erkrankt, Bekannte sind daran gestorben, unser Austauschschüler ist fast nicht mehr nach Hause gekommen, unsere Arbeitsform veränderte sich – so viel zum ruhigen Jahr.

Insofern wäre ein „Achtung“ Anfang des Jahres für mich persönlich als Warnung angemessen gewesen. Andererseits ist Ungeplantes nicht immer gefährlich. In vielen Änderungen stecken auch Chancen etwas besser zu machen.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Zukunft auch völlig Unvorhergesehenes bereithalten kann. Das ist fast schon eine triviale Aussage. Andererseits lässt sie das manchmal zwanghafte Planen für die Zukunft fast lächerlich wirken. Hartnäckiges Bewahren des Bestehenden wirkt dann gelegentlich schon tragisch.

Die Zukunft ist unbekannt. Im besten Fall lässt sich ein Teil der Zukunft erahnen. Daher ist die Ausarbeitung eines detaillierten Planes für die Zukunft keine gute Strategie. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Umstände sich genau so entwickeln, dass dieser eine Plan passt, ist gering.

Eine bessere Vorbereitung auf die Zukunft wäre das Durchspielen unterschiedlicher Szenarien. Das erhöht die gedankliche Flexibilität, vergrößert den Ideen-Baukasten und hält die Sinne wach.

Und was hat das mit Projektarbeit zu tun. Projekte bauen in die Zukunft – oft genug geschieht dies auf experimentellen (unbekannten) Wegen. Wie sinnvoll kann es überhaupt sein weitreichende und detaillierte Projektpläne zu erstellen?

Projekt-Planer*innen sind keine Hellseher.

P.S.: Ein Cartoon über Projektpläne und die Zukunft.

Agilität ist nicht New-Work

Agil ist cool, modern, menschenfreundlich, new-workig, demokratisch, selbstorganisiert und rasend schnell. Derzeit wird vieles in einen Topf geworfen, das nichts miteinander zu tun hat. Agil bedeutet im Sinne des Wortes nur “beweglich. Der Kern des agilen Manifest sind vier einfache Prinzipien

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plan

Genau genommen sind das lax formulierte Prinzipien, die einer beweglichen Arbeitsweise förderlich sind. Da steckt nichts von “New Work” oder Geschwindigkeit drin.

Es ist hilfreich sich zu vergegenwärtigen wie das agile Manifest entstand. Kluge Köpfe aus der Software-Entwicklung trafen sich um aus vielen Methoden vielleicht die beste oder eine gemeinsame zu finden. Das ist nicht gelungen, stattdessen wurde das agile Manifest als gemeinsame Wertebasis funktionierender Vorgehensweisen formuliert.

Hier wäre auch anzumerken, dass Scrum nicht “DIE agile Methode” ist, sondern nur eine von vielen, die damals diskutiert wurden. Scrum ist 6 Jahre älter als das agile Manifest.

Agil arbeiten bedeutet auf Veränderungen zu reagieren. Veränderungen können viele Ursachen haben. Ob die zu Beginn formulierten Anforderungen ungenau waren und im Laufe des Projektes präziser wurden bzw. bisher unbekannte Anforderungen hinzukommen ist völlig nebensächlich.

Die Kunst ist es, sich von ursprünglich Geplantem zu verabschieden und Neues zu beginnen. Wenn das gelingt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas Brauchbares rauskommt. Das ist eigentlich alles.

Geschwindigkeit ist eine andere Baustelle, die hängt mit der Qualität der Kooperation aller Beteiligten zusammen. Gute Kooperation zu entwickeln ist nicht immer einfach, aber mitnichten irgendeiner Methode vorbehalten. Dass manche Methoden mehr förderliche Elemente enthalten als andere ist unbestritten. Es ist jedoch ein Trugschluss, dass die Huldigung einer Methode automatisch zu gelungener Kooperation führt.

2019 / 2020 Grenze(n)

Das Jahr geht zu Ende, ein Neues, dessen Zahl sich nach Science-fiction anhört steht bevor und das Projektmagazin ruft zu einer Blogparade auf. Das Thema lautet: „Schwarmintelligenz, Kooperation und wachsendes Mindset – Brauchen wir noch Grenzen im Projektmanagement?“ Mein erster Gedanke dazu ist der folgende:

Erfolgreiche Projekte haben schon immer Grenzen überschritten oder radikaler formuliert: „Projekte sind das Mittel der Wahl um Grenzen zu verschieben“.

Insofern wäre es begrüßenswert, dass es mittlerweile auch hoffähig geworden ist, Grenzen zu überschreiten. Die Frage nach Grenzen ist meines Erachtens jedoch nicht die richtige. Eine Grenze ist mehr als eine virtuelle Linie, die überschritten werden kann:

  • Grenzen sind nicht immer nur Hindernisse.
  • Grenzen können eine Schutzfunktion haben.
  • Grenzen sollten nicht um jeden Preis überschritten werden.
  • Grenzen sind gelegentlich wie Prinzipien.

Prinzipien, Leitplanken vielleicht sogar Werte wären alternative Begriffe. Grenzen in diesem Sinne halte ich weiterhin ich notwendig. Der Frage, wie diese beschaffen sein könnten, werde ich aber erst im neuen Jahr nachgehen.

Angesichts der bevorstehenden Jahresgrenze verbleibe ich mit den besten Wünschen für das neue Jahr 2020.

© pentaeder 2019 / 2020