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In Kreisen leben

Die erste Fassung des Textes hatte ich anlässlich der Einführung von Google+ und dem Begriff der circles auf g+ geschrieben. Mittlerweile ist g+ Geschichte, die Metapher des Kreises ist aber nach wie vor treffend und zeigt wie elementar das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit ist.

Die Metapher des Kreises ist fester Bestandteil der Umgangssprache.

Es gibt Kulturkreise, Freundeskreise oder den Kreis der Familie. Es gibt Kreise in denen man verkehrt oder zu denen man gehört. Wenn ein Personenkreis keinen leichten Zutritt gewährt spricht man auch von Zirkeln. Menschen sitzen im Kreis, es gibt den Stuhlkreis im Kindergarten oder den im Manager-Seminar. Gelegentlich sitzt man auch am runden Tisch. Das ist zwar immer noch ein Kreis durch den Tisch entsteht jedoch eine weitere Bedeutung, die einen eigenen Blogbeitrag wert wäre.

Menschen-Kreise sind uns also zutiefst vertraut. Das hängt mit dem Grundbedürfnis der Menschen zusammen, sich in Gruppen zusammenzufinden. An diesem Bestreben hat sich letztendlich seit der steinzeitlichen Sippe nichts geändert. Es ist die Sehnsucht nach dem Gefühl der Zugehörigkeit, die die Menschen treibt. Nicht umsonst ist die Klärung der Zugehörigkeit das Einstiegsthema in jeder Gruppenbildung.

Die Frage “Wer gehört dazu?” muss beantwortet werden. In jeder Konstellation von Gruppen wird diese Frage gestellt und beantwortet – das ist sicherer als das Amen in der Kirche. Es passiert im Kindergarten (Der darf nicht mitspielen!), in der Schulklasse, im Sportverein, im Gesangsverein, in Peer-Groups, innerhalb von Firmen, in Internet-Foren, bei Google+ und in Projekten.

Das arme Menschlein hat es dabei nicht immer leicht. Mann oder Frau kann nicht zu allen Kreisen gehören. Die Aufnahmebedingungen für Kreise widersprechen sich gelegentlich. Der oder die Einzelne irrt dann zwischen den Kreisen umher. Das kann schmerzen, dem Einzelnen aber auch der Gruppe. In Projekten kann es zum Problem werden, wenn sich nicht alle als dazugehörig fühlen. An anderer Stelle hatte ich über anonyme Spezialisten geschrieben, diese fühlen sich oft nicht zugehörig.

In der Wachstumsphase neuer Social-Media-Plattformen ist die Klärung der Zugehörigkeit gut zu beobachten. Gruppen entstehen, definieren sich, Listen entstehen – wer steht auf welcher Liste, wer folgt wem. Ein paar Reibereien entstehen an den Rändern überlappender Kreise. Was sich auf einer Social-Media-Plattform entspannt beobachten lässt ist in der Projektarbeit alles andere als entspannend. Dort kann es zur harten Arbeit werden sich in den richtigen Kreisen zu finden. 

Die Bildung von passenden Kreisen ist eine zentrale Aufgabe in der Projektarbeit. 

Projektleiter, Scrum-Master (oder wie die Bezeichnung lauten mag) sorgen dafür, dass sich die richtigen Kreise bilden. Kreise in denen sich die Menschen wohlfühlen, in denen sie arbeiten und leben können.

in Gruppen arbeiten und leben

oder “Warum Teamarbeit und Projektarbeit zusammen gehören?”

Menschen werden nicht als Einsiedler*innen geboren. So sehr den Konkurrenz- und Individualitäts-Prinzipien auch gehuldigt wird – am Ende des Tages sitzen die Individuen doch wieder am gemeinsamen Tisch und finden sich zu einer Gruppe zusammen.

Die Spielgruppe im Kindergarten oder das Meeting in einem Unternehmen haben ähnliche Funktionen. Das meine ich ganz ohne Ironie. Es sind Gruppen in denen Menschen einen Teil ihrer Grundbedürfnisse befriedigen: Kommunizieren, Bestätigung geben und erfahren, gemeinsames Handeln, gemeinsame Erfolge und Vertrauen erleben. Rangeleien in der Gruppe und die Lösung von Konflikten  gehören auch dazu, sie sind elementarer Bestandteil des Mensch-Seins.

Einpressen der Menschen in nicht gestaltbare Prozessabläufe verhindert die Erfüllung diese Grundbedürfnisse, ist “unmenschlich” und wird selbst in einer rein funktionalen Sicht keine guten Ergebnisse liefern.

Das ist m.E. auch der Grund, warum materielle Anreizsysteme nicht richtig funktionieren. Ein materielle Belohnung kann die reale Bestätigung und Zufriedenheit, die sich aus erfolgreicher Zusammenarbeit und menschlicher Interaktion ergeben, nicht ersetzen.

In Projekten lässt sich eine menschliche Arbeitsweise im obigen Sinne gut umsetzen. Die Umsetzung ist nicht leicht aber lohnend.

Zufriedene Menschen machen gute Projekte.

Anonyme Spezialisten

Anonyme Spezialisten

Es kommt vor, dass ausgewiesene Spezialisten für bestimmte Themen (z.B. Kenntnisse über eine spezielle Datenbank) in ein Projekt-Team aufgenommen werden. Möglicherweise hat die neue Kolleg*in noch mehr wertvolles Wissen. Dass dieses dem Projekt zu Gute kommt ist allerdings nicht selbstverständlich.

Aus unterschiedlichen Gründen kann es vorkommen, dass Mitarbeiter keine Gelegenheit erhalten ihr Wissen einzusetzen. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass sie sich enttäuscht zurückziehen und zunehmend weniger Wissen und Fähigkeiten in das Projekt einbringen. Sie werden zu „anonymen Spezialisten“.

Dieser Verlust ist noch nicht einmal das Schlimmste. Die unausgesprochene Kränkung kann auch die Suche nach Lösungen verhindern. Statt einer konstruktiven Zusammenarbeit um Lösungen für ein kniffliges Problem zu finden fällt dann eher kurz vor Ausbruch der Krise der Satz: “Das habe ich schon lange vorausgesehen”.

Haben Sie diesen Satz schon einmal gehört und gedacht “Warum rückt er erst jetzt damit raus?”. Dann haben Sie möglicherweise einen anonymen Spezialisten enttarnt, eine nicht abgeschlossene Rollenklärung und möglicherweise einen beginnenden Konflikt im Team am Hals.

Was lässt sich tun um diese Situation zu vermeiden?

  • Bringen Sie in Erfahrung was Spezialisten können – nicht nur in dem Gebiet für das sie eingestellt wurden?
  • Sorgen Sie dafür, dass im Team klar ist wer was kann.
  • Achten Sie darauf ob in Diskussionen alle angemessen zu Wort kommen.

 

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