Das Projekt meines Lebens – so lautet der Titel der Blogparade, zu der das PM-Camp Karlsruhe aufgerufen hat. Das erste PM-Camp in Karlsruhe steht unter dem Motto „Projekte mit Begeisterung, woher kommt die Magie?“. Mir gefällt die Idee die begeisternden Elemente der Projektarbeit in den Vordergrund zu stellen, anstatt Fehler zu analysieren oder über Misserfolge zu klagen. In diesem Sinne nehme ich das geworfene Stöckchen gerne auf. Da ich schon viele gute Projekte auf dem Buckel habe, ist mir die Auswahl nicht leicht gefallen. Über ein Projekt denke ich aber besonders gerne nach. Dazu gehe ich einige Jahre zurück. Das Internet war damals noch wirkliches Neuland. Mein Arbeit gebendes Unternehmen hatte zu der Zeit noch keine Webseite. Parallel zur Erstellung der Webseite sollte im Zuge einer strategischen Ausrichtung des Unternehmens in Richtung Internet ein Intranet aufgebaut werden – über dieses „Intranet Projekt“ soll die Rede sein. Wir waren ein neu aufgestelltes Team voller Begeisterung und aberwitzigem Mut. Der Online-Start wurde lange voraus als „Big Bang“ geplant. Am Tag X sollten in der Kantine Mousepads mit der URL verteilt werden, entsprechend würde nach der Mittagspause der Ansturm beginnen. Dieser „Big Bang“ wurde in den Kalender eingetragen, bevor wir uns überhaupt für ein Redaktionssystem entschieden, ein Stück Infrastruktur eingekauft oder gar vom Rechenzentrum die Zusage hatten, ob sie überhaupt in der Lage wären diesen neumodischen Kram zu betreiben. Wir mussten mit der Betriebsorganisation die Strukturierung ausfechten, papiergebundene Abläufe digitalisieren, Design entwerfen, programmieren, Server aufbauen, alles mit möglichst vielen abstimmen, Inhalte einsammeln, eine Suchmaschine hinzu programmieren und manches mehr. Entgegen allen Erwartungen wurden wir pünktlich fertig und hatten neben viel Stress noch mehr Spaß. Es stellt sich natürlich die Frage woran es lag, dass dies so ein erfolgreiches und tolles Projekt war. Eine etwas sarkastische Analyse lieferte unser Bereichsleiter. In einer Präsentation zeigte sich einer der Zuhörer erstaunt, dass dieses Projekt ohne Management-Attention so erfolgreich wurde, worauf unser Chef meinte, dass gerade die nicht vorhandene Attention der Schlüssel zum Erfolg gewesen wäre – eine bemerkenswertes Aussage für einen Manager. Da steckte in der Tat ein wahrer Kern drin, aufgrund einer parallel laufenden Neuorganisation des Unternehmens sowie gebäudeweiter Umzüge hatten wir einen leerstehenden Flur mit Büroräumen ergattert, den wir ohne organisatorische Einschränkung zur freien Verfügung hatten. Während der Projektlaufzeit bekamen wir unsere Linien-Vorgesetzten praktisch nicht zu Gesicht. Das Team hatte also maximale Freiheiten sich selbst zu organisieren. Aus den Notwendigkeiten des Projektes heraus hatten wir eine Arbeitsform entwickelt, die man heute „agil“ nennen würde. Damals hatte diese Form zu arbeiten noch keinen Namen, das agile Manifest war noch nicht einmal geschrieben. Gemeinsam vergewisserten wir uns gegenseitig etwas Neues schaffen zu können und erarbeiteten uns Stück für Stück die Bestätigung dafür. Das Projektteam wurde nach und nach ein Stück Heimat. Dieses Gefühl der Heimat habe ich selten so stark gespürt. Deshalb habe ich dieses Projekt in besonderem Maße ins Herz geschlossen. Zum Schluss noch eine Anekdote, die das Besondere dieses Projektes unterstreicht. Ein explizites Berichtswesen gab es nicht, zumindest musste ich nie an den Gesamtprojektleiter berichten. Die Info, ob im „Intranet-Teilprojekt“ alles im grünen Bereich war, hat er sich selbst abgeholt. Er sagte einmal:
Ich habe nur auf dem Flur gelauscht, wenn ich Euch lachen gehört habe, wusste ich, dass alles in Ordnung ist.
Spaß, ein Gefühl von Heimat und erlebtes Vertrauen, sind für mich wesentliche Punkte, die die Magie der Projektarbeit ausmachen.