Lohnt sich Selbstorganisation

Stefan Hagen hatte im Projektmanagement Blog die Frage Selbstorganisation – Chance oder Illusion aufgeworfen. Ich möchte die Frage noch deutlicher stellen “Lohnt sich Selbstorganisation? und mit einem deutlichen JA beantworten. Für die Projektarbeit kann ich diese Aussage auch mit Zahlen belegen. Selbstorganisation und Gruppendynamik Selbstorganisation ist ein Kennzeichen eines echten Teams. Das sagt sich so leicht. Ich formuliere es anders herum: Selbstorganisation zielgerichteter Arbeit entsteht als Ergebnis eines gruppendynamischen Prozesses den die Gruppe (das Projektteam) durchlebt. Die Gruppe durchlebt hierbei innere Rollenklärungen – weniger diplomatisch formuliert Machtkämpfe – und gibt sich Normen und Regeln. Die Gruppe erprobt und verfeinert das Beziehungsgeflecht. Am Ende entsteht ein Gerüst aus teilweise unausgesprochenen Normen, Regeln und Verhaltensmustern. Dieses Gerüst stellt die selbst geschaffene Organisation dar. Ob in einer Gruppe eine gruppendynamische Rollenklärung stattgefunden hat lässt sich mit Kontrollfragen ermitteln. Salopp formuliert lässt sich über die Auswertung der Fragen grob differenzieren ob es sich um ein (selbstorganisiertes) Team, eine Arbeitsgruppe oder einen zerstrittenen Haufen handelt.1 Ein paar Zahlen Selbstorganisation und ProjekterfolgSpannend wird es wenn man den Projekterfolg der Teams und Gruppen betrachtet. Nebenstehende Abbildung zeigt die Korrelation zwischen Projekterfolg, Team- und Gruppenausprägung und der Teamgröße ermittelt aus knapp 200 Software-Entwicklungsprojekten. Die Abbildung spricht in einer Hinsicht für sich: Die Erfolgsquote selbstorganisierter Teams ist 4-mal größer als jene der “Haufen” und deutlich größer als die Erfolgsquoten, die regelmäßig im Chaos-Report2 ermittelt werden.3,4 Interessanterweise zeigt sich diese Korrelation bei sehr kleinen Projekten nicht. Das ist plausibel, in einem Miniteam findet weniger Gruppendynamik statt, die Organisation der Arbeit ist primär durch die Ziele des Projektes und ggf. die Vorgaben des Projektleiters vorgegeben. Selbst wenn offensichtlicher Zwist herrscht, können zwei oder drei Personen noch irgendwie zusammenarbeiten. Bei mehr als 4 Personen schlagen diese Zwistigkeiten jedoch dramatisch in die Erfolgsquote durch. Selbstorganisation und Führung In jeder Gruppe steckt viel Potential. Eine gewisse fachliche Eignung der Mitarbeiter für das anstehende Projekt setze ich jetzt einfach voraus. Es wird auch niemand auf die Idee kommen, für ein Streichkonzert eine Gruppe aus Pianisten zusammen zu stellen. Um das Potential der Gruppe zur Entfaltung kommen zu lassen bedarf es vielmehr einer bestimmten Grundhaltung als den Einsatz bestimmter Methoden: Selbstorganisation fällt nicht vom Himmel.
  1. Eberhard Huber, Cleo Becker: Entstehung von Projekt- und Teamkulturen und ihr Einfluss auf den Projekterfolg in: Projekte als Kulturerlebnis, dpunkt.verlag 2009 ISBN 978-3-89864-629-1 []
  2. Ergänzungen zum Chaos Report []
  3. Eberhard Huber, Sven Lindenhahn: TEAMWORK: Warum Projektteams erfolgreicher sind als Projektgruppen, Objektspektrum Ausgabe 02 / 2010 []
  4. Sven Lindenhahn, Sebastian Günther, Eberhard Huber: Einfluss agiler Praktiken auf Teammerkmale und Erfolg von Softwareentwicklungsprojekten []

2 thoughts on “Lohnt sich Selbstorganisation

  1. Hallo Gebhard,

    in dem Artikel ist das Wesentliche zusammengefasst, Download ist für umsonst … der Link funkttioniert nicht richtig, ich schicke es Dir per Mail

    P.S. Nachfolge-Untersuchung läuft gerade, Ergebnisse liegen voraussichtlich im Spätsommer vor

  2. Hallo Eberhard,

    spannend, vor allem die Grafik, kann man mehr über die Hintergründe dieser Befragung erfahren? Kommt das aus dem Chaos Report? Wie entsteht die Korrelation zwischen Teamgrösse und Selbstorganisation? Ich verstehe auch Deinen Ausdruck »echte Teams« noch nicht, kannst Du das ausführen oder hast Du das an anderer Stelle bereits getan?
    Selbstorganisation ist demnach ein Kennzeichen eines echten Teams, was sind die anderen?

    Neugierige Grüsse
    Gebhard

Comments are closed.

© pentaeder 2019 / 2020