erste Eindrücke vom #PMCampDOR 2014

Das vierte PM Camp in Dornbirn ist vorüber. Es ist Zeit ein paar erste Impressionen festzuhalten.

Die spinnerte Idee von vor 5 Jahren wird zur Bewegung. Neue Menschen kommen hinzu und fahren begeistert nach Hause, erzählen weiter, neue Camps entstehen. Es ist definitiv gelungen einen neuen virtuellen und realen Raum zu schaffen in dem sich Menschen, die in Projekten arbeiten, sich austauschen und von einander lernen können.

imageDie Polaroids auf der Sessionplanungswand waren cool. Die Party war großartig, wenn auch nicht ganz frei von Nebenwirkungen am Samstag Morgen. Die Impulsvorträge von Gebhard Borck und Melanie Kaiser sind dem Namen mehr als gerecht geworden und haben kräftige Impulse gegeben.

Ich selbst habe auch viele Gedanken mitgenommen und konnte manche schon sich windende Gedankengänge entwirren und ordnen. Begriffe und Zusammenhänge wurden wieder ein Stück klarer. Insofern war das diesjährige Motto “Beyond Project-Management” sehr trefflich. In den nächsten Wochen wird dazu sicher noch der eine oder andere Blogbeitrag entstehen.

Gestaltungsprinzipien der Arbeit

tableau_schmiede_01_kleinVor kurzem hatte ich anlässlich der Beyond Project Management – Blogparade zu möglichen Entwicklungen in der Projekt- und Arbeitswelt geschrieben. Dort hatte ich einige alternative Prinzipien formuliert mit den denen sich Arbeit neu1 gestalten lässt. Diese habe ich als Diskussions-Grundlage für das bevorstehende EnJoyWorkCamp und das PM Camp in Dornbirn etwas umformuliert.

 

Fünf Gestaltungsprinzipien:

  • Kleine autonom handelnde und kooperierende Gruppen und Teams verdrängen hierarchisch organisierte und zentral gesteuerte Einheiten.
  • Kooperatives “Learning by Doing” wird wichtiger als die Anhäufung von Ausbildungsnachweisen.
  • Führungsstrukturen entwickeln sich aus der konkreten Aufgabenstellung und sind nicht mehr per Organigramm vorgegeben.
  • Nachhaltigkeit2 verdrängt die Gewinnoptimierung als oberstes Geschäftsprinzip.
  • Die Bewertung von Arbeits- und Ergebnisqualität geht über eine reine Kostenbewertung hinaus.

Eine Diskussion über diese Prinzipien möchte ich im Rahmen einer Session auf dem EnJoyWorkCamp und dem PM Camp in Dornbirn anstoßen.

Zum Titelbild: Ein Schmied repariert stumpf gewordene Bohrmeißel. Reparatur statt Neukauf und Wiederverwendung sind Prinzipien, die sich hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit verbergen können.

  1. Die derzeit dominierende Form der Arbeit würde ich so beschreiben: “Große globalisierte gewinnoptimierende Organisationen mit kleinteiligen gut kontrollierten Arbeitsschritten.” Dem stehen künftig kleine, regionalisierte, nachhaltigere und kooperativ handelnde Organisationen gegenüber. []
  2. Nachhaltigkeit im Sinne des Vorhaltens von Reserven, die eine “gesundheitliche” Stabilität ermöglichen. []

PM-Camp … Könnten Sie mir das Programm schicken?

projekt_cartoon_030_campDiese Frage wird mir in den letzten Wochen vor einem PM-Camp immer wieder gestellt. Die Antwort lautet sinngemäß immer wieder gleich: “Leider nein, das Programm wird von allen Teilnehmenden zu Beginn jeden Tages gemeinsam vereinbart.” Das macht den Unterschied zwischen einer klassischen Konferenz und einem “Camp” aus. Hier erlischt dann entweder das Interesse oder es kommt die Frage “Wie läuft so ein Camp ab?”.

Der Begriff des BarCamps ist noch keine 10 Jahre alt. In der Wikipedia findet sich aber immerhin schon ein Eintrag:

Ein Barcamp (häufig auch BarCamp, Unkonferenz, Ad-hoc-Nicht-Konferenz) ist eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Barcamps dienen dem inhaltlichen Austausch und der Diskussion, können teilweise aber auch bereits am Ende der Veranstaltung konkrete Ergebnisse vorweisen …

Seit dem ersten Barcamp in Palo Alto (Kalifornien) im August 2005 in den Räumlichkeiten der Firma Socialtext werden in Nordamerika, Asien und Europa Barcamps abgehalten. So fanden bereits Ende September 2006 in Berlin, Wien und Zürich die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum statt.

sessionplanSeit 2011 gibt es auch Camps zum Thema Projektmanagement. Das Älteste – das PM-Camp Dornbirn – findet dieses Jahr schon zum vierten Mal statt. In der Projektarbeit sind Flexibilität und der Situation angepasstes Handeln gefragt. Dementsprechend gut passt der Ansatz eines BarCamps zu Diskussionen rund um die Projektarbeit. Anstatt ausgewählten Vorträgen zu lauschen und ggf. im Nachgang einzelne interessante Aspekte zu diskutieren wird auf einem Camp das Pferd quasi von hinten aufgezäumt. Es beginnt mit der Frage nach interessanten Themen. Jede(r) Anwesende hat am Beginn des Tages die Möglichkeit Thema und Fragen vorzustellen. Die Themen werden notiert und an den Sessionplan, ein vorgegebenes Zeit- und Raumraster, gehängt. Auf nebenstehendem Bild ist ein solcher Plan zu sehen – das ist das Programm eines Tages. Dieses Programm hat unmittelbar etwas mit den anwesenden Menschen zu tun. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in den Sessions intensiver Austausch und wichtige (Lern)erfahrungen stattfinden können.

Auch der sonstige Rahmen eines Camps ist sehr flexibel gehalten. Neben den Hauptmahlzeiten gibt es laufend kostenfreie Getränke und Snacks. Wenn eine Diskussion mal länger dauert kann man sie getrost zu Ende führen ohne den Rest des Tages hungrig verbringen zu müssen. Zu guter Letzt ein paar Worte zu den Kosten. Dank der Unterstützung von Sponsoren und der bewussten Ausrichtung als nicht gewinn-orientierte Veranstaltung kostet ein Ticket für zwei Tage inkl. Vollverpflegung und Party nur 119,- € (inkl. MwSt.).

Ein paar Tickets für das vierte PM Camp Dornbirn vom 20. bis 22. November sind noch übrig.

Kaffee, Küche und der Anforderungspuffer

Ich sitze am Schreibtisch, eine Tasse mit frisch gebrühtem Kaffee steht vor mir. Ein zeitweilig vermisster Genuss, da wir 10 Tage keine Küche hatten und die neue erst jetzt termingerecht (!) in Betrieb genommen wurde. Ein kleines und erfolgreiches Projekt liegt hinter uns.

Diverse Elektrogeräte unserer Küche hatten das Zeitliche gesegnet, der Austausch der Elektrogeräte und eine Generalrenovierung der Schränke hätte nicht viel weniger gekostet als eine komplett neue Küche. Damit fiel die Entscheidung für eine neue Küche. Um Platz zu gewinnen, entschieden wir uns gegen einen Einbaukühlschrank. Ein grober Plan war dann schnell aufgestellt.

  1. neuen Standkühlschrank beschaffen
  2. alten Kühlschrank ausräumen
  3. neuen Kühlschrank einräumen und im Wohnzimmer aufstellen
  4. alte Küche ausräumen
  5. Mikrowelle und einen Teil des Geschirrs im Wohnzimmer deponieren
  6. übriges Küchenmaterial im Keller und auf Veranda verstauen
  7. alte Küche abbauen
  8. Malerarbeiten
  9. Lieferung der neuen Küche
  10. neue Küche einbauen
  11. Küche einräumen

Terminlicher Angelpunkt war die Lieferung der neuen Küche. Der Rest des Planes wurde von diesem Termin inkl. Puffer vorwärts und rückwärts eingeplant.

Soweit so gut und banal. Auch wenn das Projekt klein und überschaubar ist, taugt es dennoch wesentliche Elemente ordentlichen Projekt-Managements klar zu fassen. Ich notiere diese Punkte weil ich durchaus schon sehr große Projekte erlebt habe in denen diese Punkte geflissentlich ignoriert wurden.

  • Reihenfolgen sind wichtig, Arbeitsschritte lassen sich nicht beliebig tauschen.
  • Wenn ein Arbeitspaket schneller erledigt wird, tendiert man(n) zum Pause machen.
  • Anforderungs-Puffer sind hilfreicher als Zeit-Puffer.

Der letzte Punkt ist mir besonders wichtig. Jedes Projekt generiert neue vorher nicht bekannte Arbeitspakete. Hier im konkreten Fall waren es die alten Steckdosen, die sich nicht mehr richtig herausschrauben ließen und teilweise ersetzt werden mussten. Solche Problemchen lassen sich nicht durch zeitliche Reserven alleine absichern. Wenn ein harter Termin ansteht und der Baumarkt am Wochenende geschlossen hat, muss eben ein Plan B her, der den formalen Abschluss des Projektes ermöglicht und die eine oder andere temporäre Notlösung zurück lässt. Im konkreten Fall fehlt die Steckdose immer noch, dementsprechend steht der Kühlschrank noch im Wohnzimmer.