Auf heise.de erschien kürzlich ein Artikel “Wie Teamarbeit heute funktioniert“. Die Sicht, die in diesem Artikel anklingt, gewinnt leider immer mehr an Bedeutung. Soziale Interaktion wird als Werkzeug verstanden mit dem die Effizienz weiter erhöht werden kann. In dem verlinkten Artikel wird auch der Begriff der “Sozialen Technologie” verwendet. Ich bezeichne dies bewusst als Unwort. Soziale Interaktion ist menschlich, Teamarbeit basiert auf Respekt gegenüber den Mit-Menschen. Dieser Respekt geht schon durch den Gebrauch der Vokabel “Technologie” in diesem Zusammenhang verloren. Ich würde mir wünschen, dass alle, die die Begriffe “Teamarbeit” und “sozial” in den Mund nehmen, reflektieren ob sie wirklich die Menschen oder nicht nur den Profit im Blick haben.
Freude und Wissen
Es gibt nur wenige Dinge, die sich vermehren, wenn sie geteilt werden. Die genannten gehören auf jeden Fall dazu. Eine gute Gelegenheit Wissen über Projektarbeit zu teilen ist der Besuch eines PM Camps, die inzwischen an verschiedenen Orten stattfinden:
- Wien: 21./22. Juni 2013 – zur Anmeldung.
- Bad Homburg: 27. – 29. Juni 2013 – zur Anmeldung.
- Berlin: 13. – 15. September 2013 – zur Anmeldung.
Ich selbst werde auf jeden Fall in Bad Homburg dabei sein.
Der Plan
Pläne, die nicht schnell erfasst werden können, erfüllen mich mit Unbehagen. Ich selbst stand schon in einem Konferenzraum in dem ein ausgedruckter Gesamtplan auf 10 Metern Länge an die Wand gepinnt war. Die Anschaffung von DIN A0 Plottern für Projektbüros habe ich auch schon erlebt, insofern ist der Cartoon durchaus aus dem Leben gegriffen. Jammern hilft aber nichts! Deshalb habe ich mit mir selbst ein paar Regeln bzw. Grundsätze für Pläne hinter die Ohren geschrieben:
- Meilensteine sind keine (optischen) Gliederungspunkte.
- Nur wirklich wichtige Abschnitte im Projekt werden als Meilensteine definiert.
- Für jeden Meilenstein wird klar beschrieben, was mit dem Meilenstein abgeliefert werden soll.
- Klare und für jeden verständliche Beschreibungen für Arbeitspakete verwenden.
- Teilprojekte werden von den Kollegen, die im Teilprojekt arbeiten, geplant.
- Spezielle Arbeitspakete werden von Spezialisten geplant
- Teilprojekte und deren Arbeitspakete werden nicht vollständig in den Gesamtplan integriert.
- Schnittstellen zu Teilprojekten mit klaren Beschreibungen der Lieferung versehen.
- Wenn der Wunsch nach einem “DIN A3 + x” Drucker erwacht ist der Plan zu groß.
- Schönheit ist kein Kriterium für einen guten Plan.
- Es gibt auch andere Darstellungsformen als Gantt-Diagramme.
- …
P.S. Zur Planung gehört immer auch das Schätzen, dazu gibt es heute einen sehr interessanten Beitrag auf im GPM Blog: Projektmanager neigen zur Selbstüberschätzung bei der Planung
Über die Sinnhaftigkeit von Projekt-Planung
Die folgenden Gedanken sind einerseits eine Fortsetzung dieses Artikels, andererseits eine Weiterführung eines Gedankens, der in der Diskussion zu einem Blogartikel von Stefan Hagen (“Agiles Projektmanagement” – ein Widerspruch in sich?) von Holger Zimmermann aufgeworfen wurde. Er schrieb “Etwa die Annahme, ein Plan müssen eingehalten werden, ist aus meiner Sicht falsch.” Der Gedanke trägt Sprengstoff in sich. Offensichtlich ist es ein hoher Wert in einem Projekt den Plan einzuhalten. “Gut” und “schlecht” wird oft vorschnell an der Einhaltung des Planes festgemacht. Andererseits wissen alle, die in Projekten arbeiten, dass Pläne in den seltensten Fällen eingehalten und häufig korrigiert werden. Sind Pläne deshalb überflüssig oder sinnlos? “Nein!” Sie müssen vielleicht mit einem anderen Sinn gefüllt werden. Ein Projekt ist gewissermaßen ein Lösungsweg, ein Weg von einem unbefriedigenden zu einem befriedigerenden Zustand. Dieser Weg ist naturgemäß von Anfang an nicht in allen Facetten bekannt. Ein Plan ist nicht mehr und nicht weniger als eine Idee des Weges. Stellt sich heraus, dass ein Stück des Weges so nicht gangbar ist muss der Weg eben geändert werden. Mit einer Metapher (Projekt = Bergtour) wird das vielleicht noch deutlicher. Vor der Tour legt man sich den Aufstiegsweg zurecht und packt die Ausrüstung ein, die wahrscheinlich gebraucht wird. Wenn dann am Gipfelgrat das vermeintliche Schneefeld aus blankem Eis besteht müssen eben doch die Steigeisen angelegt werden. Hat man keine Steigeisen dabei muss das Eisfeld umgangen werden. Der Plan wird geändert.
Der ursprüngliche Plan dient also einer bestmöglichen Vorbereitung. Zugleich dient er einer laufenden Überprüfung des Fortschritts. Der springende Punkt ist die Abweichung. Vielleicht sollten wir die Abweichung nicht mehr länger als “Makel” ansehen, sondern als willkommene Gelegenheit den Weg wieder gangbarer zu machen.
Fortsetzung folgt …
