Selbstorganisation und Menschenbild

Februar 5th, 2010

Dass die Selbstorganisation nicht vom Himmel fällt sondern erarbeitet werden muss, hatte ich schon geschrieben. Arbeit alleine reicht aber nicht, auch die Einstellung muss stimmen. Der Weg zu selbstorganisierten Teams – egal ob man Scrum oder eine andere teamorientierte Arbeitsweise einführt – gelingt nur mit der passenden Einstellung bzw. einen bestimmten Menschenbild.

In einer Diskussion über Führungsstile sagte eine Führungskraft vor kurzem folgenden Satz zu mir: “Das geht alles auch mit Druck”. In gewisser Weise hat er recht, eine Arbeitsgruppe oder Abteilung lässt sich natürlich mit präzisen Handlungsanweisungen, Druck und Drohungen führen. Ob das in Projekten oder bei Entwicklungsarbeiten in denen es auf Kreativität und neue Lösungen ankommt sinnvoll ist, möchte ich jetzt nicht diskutieren. Wichtiger scheint mir die grundlegende Haltung, das Menschenbild, das zu einem solchen Führungsverständnis führt, zu sein. Provozierend formuliert steckt da folgendes Menschenbild dahinter:

  • Mitarbeiter wollen nicht arbeiten und müssen permanent angetrieben werden.
  • Mitarbeiter sind dümmer als die Führungskraft. Deshalb muss die Führungskraft mit konkreten Anweisungen den Arbeitsfortschritt absichern.

Nicht minder provozierend formuliert lautet die Antithese:

  • Mitarbeiter wissen besser als die Führungskraft wie die Probleme zu lösen sind.
  • Mitarbeiter sind grundsätzlich interessiert sich für die Firma und ihre Ziele zu engagieren und wollen lieber sinnvoll arbeiten als faulenzen.

Die Wirklichkeit ist ein wenig komplizierter aber irgendwo zwischen diesen Polen bewegt sich die Einstellung gegenüber den Mitarbeitern. So verlockend Produktivitätssteigerungen durch Selbstorganisation auch klingen mögen, mit einem Menschenbild wie dem zuerst formulierten wird es nie eine echtes selbstorganisiertes Teams geben. Nur wer daran glaubt, dass das Team im besten Wissen und Gewissen eine Lösung erarbeitet und dann bereit ist diese Lösung mit zu tragen wird die Früchte der Selbstorganisation ernten können. Dieses Mittragen der Lösung – auch wenn sie im ersten Moment nicht der eigenen Präferenz entspricht – ist die Antwort auf die implizite Vertrauensfrage, die das Team regelmäßig stellt. Wer “Selbstorganisation” nutzen will (z.B. bei einer Einführung von Scrum) muss bereit sein “mitzutragen” auch dann, wenn die Entscheidung des Teams den Eigeninteressen der Führungskraft zuwider läuft. Es gibt nichts Schlimmeres als mit Worten “ja” und mit Taten “nein” zu sagen.

Der Advocatus diaboli fragt nun wie mit politischen Entscheidungen umgegangen werden soll, die ggf. den Entscheidungen des Teams entgegen laufen (könnten). Hier gibt es nur eine Antwort: So früh und so ehrlich wie möglich alle Rahmenbedingungen an das Team kommunizieren. Wenn beispielsweise innerhalb eines Projektes eine Software angeschafft werden muss und auf höherer Ebene hierzu bereits eine Vorentscheidung gefallen ist, muss das Team davon wissen, bevor sie sich selbst mit der Auswahl befassen. Hört sich trivial an ist es aber nicht, ich habe es schon zu oft erlebt, dass wohl überlegte Lösungen mit dem Hinweis auf bereits vorgefasste Entscheidungen wieder gekippt wurden. Kein Team arbeitet gerne für den Mülleimer und eine solche Entscheidung wird von den Mitarbeitern nahezu zwangsläufig als Missachtung Ihrer Arbeit(szeit) betrachtet.

Ohne offene und ehrliche Kommunikation und einer gehörigen Portion Vertrauen in die Mitarbeiter kann Selbstorganisation nicht wachsen.

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Scrum oder die Selbstorganisation fällt nicht vom Himmel

Februar 4th, 2010

Das Scrum-Team arbeitet selbstverantwortlich und selbstorganisiert. Selbstorganisation ist eines der wesentlichen Merkmale eines echten Teams – daran besteht kein Zweifel. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation fällt aber nicht vom Himmel, wenn beschlossen wird “wir machen Scrum” oder die Abteilung in Team umbenannt wird. Diese Fähigkeit muss von der Gruppe hart erarbeitet, geübt und laufend trainiert werden. Ja – es ist wie im Sport. Wenn wir eine Handballmannschaft betrachten ist jedem klar, dass zehn Sportler mit guten individuellen Fähigkeiten noch keine gute Mannschaft ausmachen, die erfolgreich spielt. Es liegt klar auf der Hand, dass der Trainer die harte Aufgabe hat aus den Individualisten eine Mannschaft zu machen, die dann irgendwann auf dem Feld steht und bei kritischen Spielständen selbst dafür sorgen kann, dass sie zum Erfolg kommt. Wie beschränkt der Einfluss des Trainers im laufenden Spiel ist, erkennt man oft daran wie verzweifelt die Trainer auf und ab rennen wenn die Mannschaft nicht das umsetzt was sich der Trainer ausdenkt.

Ein Scrum-Master hat einen ähnlichen Job wie ein Handballtrainer. Er oder sie muss den Haufen von Spezialisten dazu bringen als Team zu agieren und durch laufendes Training dafür sorgen, dass die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Genau! – es geht um Erhaltung und nicht um Steigerung. Die Leistungsfähigkeit jedes Teams wird von alleine schlechter – es ist genauso wie bei einer Handballmannschaft ohne Trainer, die Spielpraxis kann eine gewisse Zeit die sich verschlechternde Kommunikation und das Einschleifen schlechter Gewohnheiten verlangsamen, langfristig geht es aber nicht ohne Training.

Noch ein paar Wort zur Leistungssteigerung oder gar zum Leistungsdruck: Ein echtes Team arbeitet um Größenordnungen effizienter als eine zusammengewürfelte Gruppe oder ein “zerstrittener Haufen”. Wenn die Teamarbeit ins Laufen kommt entsteht das “Wir-Gefühl”, der Teamgeist, der ein Gefühl der Verpflichtung mitbringt. Dieses Gefühl der Verpflichtung lässt den Einzelnen die persönlichen Bedürfnisse hinten an stellen. Mit dem Erfolg kommt als Belohnung das Gefühl der kollektiven Euphorie. Das ist wichtig und manchmal notwendig. Das Wechselspiel aus Verpflichtung und Euphorie darf aber nicht zum Dauermotor der Arbeit werden sonst besteht die Gefahr des Ausbrennens. Hier steht der Scrum-Master in der Pflicht dieses zu verhindern. Diese Aufgabe ist doppelt schwer, weil ein rennendes Team sich gelegentlich selbst überfordert. Auf der anderen Seite wird gelegentlich von Seiten der Organisation Druck aufgebaut um Hochleistungsteams noch weiter zu treiben und auszubeuten. Der Scrum-Master steht dazwischen. Der / die Scrum-Master ist also nicht nur Hebamme der Selbstorganisation sondern manchmal auch großer Bruder oder große Schwester, die das Team beschützen.

Noch einmal zurück zum Handballsport, den ich als ehemaliger Spieler und Trainer immer noch verfolge. Die deutsche Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren große Erfolge gefeiert. Erfolge, die teilweise mit ersatzgeschwächten Mannschaftsaufstellungen erzielt wurden. Der Teamgeist hat hier unglaublich viel kompensiert aber irgendwann kollabiert das Verpflichtungs-Euphorie-System. Die Euphorie kann nicht ewig den Verbrauch der Substanz kompensieren – das enttäuschende Abschneiden bei der letzten Europameisterschaft kann man durchaus als Ausbrennen des Teams deuten.

In Kürze noch einmal die wichtigsten Punkte als Zusammenfassung. Diese Punkte gelten nicht nur für Scrum sondern für alle Organisationsformen, die auf selbstorganisierte Teams setzen:

  • Selbstorganisation muss erarbeitet, geübt und erhalten werden.
  • Selbstorgansierte Teams brauchen Trainer.
  • Trainer benötigen eine andere Ausbildung als Teammember
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(Daten)-Design und Datenschutz

Februar 3rd, 2010

In den letzten Tagen hat sich hier das Design ein wenig verändert um mehr Platz für Navigationselemente zu schaffen. Die eigentlichen Änderungen sind jedoch grundlegenderer Natur und betreffen den Datenschutz.

Ich betrachte die ausufernde, von verschiedenen Motivationen getriebene Datensammelwut im Internet, zunehmend kritisch. Das simple Zählen der Leser gehört längst der Vergangenheit an. Werbeeinblendungen, Bewertungstools, Partnerprogramme, zentrale Spamabwehr, Google Analytics, VG Wort, Blog Rankings und Counter … jedes dieser Features hinterlässt Spuren in Form von Cookies und Protokolleinträgen bei den Betreibern der Tools. Genau genommen, müsste in der Datenschutzerklärung jedes der verwendeten Systeme aufgeführt und die mögliche Verwendung der Daten dokumentiert werden. Angesichts der verwinkelten AGB der Betreiber ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.

Angesichts der Tatsache, dass die sichersten Daten diejenigen sind, die nicht gespeichert werden, beschränken wir uns künftig auf das absolute Minimum und verzichten auf sämtliche Dienste, die Daten außerhalb dieses Blogs speichern. Noch vorhandene Zählmarken der VG Wort, bzw. Amazon Partner Links werden in den nächsten Tagen ausgebaut. Details zur verbleibenden Speicherung von Daten finden sich in der aktualisierten Datenschutzerklärung.

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Hebamme der Selbstorganisation – ein Seminar für Scrum-Master

Februar 1st, 2010

Seminare für Scrum-Master gibt es wie Sand am Meer – warum also noch eines? Der Scrum-Master soll als “leader without power” dem Team den Weg ebnen. Das ist leicht gesagt und schwer getan. Letztendlich soll er/sie die das Team auf einem langen und zu Beginn mühsamen Weg begleiten. Aus der anfänglich zusammengestellten Arbeitsgruppe soll ein Hochleistungsteam werden. Dass dies von alleine und selbstorganisiert geschieht ist eine Illusion. Die Selbstorganisation eines Teams ist etwas, das im Zuge eines Entwicklungsprozesses entsteht und mitnichten schon am Anfang da ist (siehe auch Die Selbstorganisation fällt nicht vom Himmel). Der Scrum-Master ist die Hebamme der Selbstorganisation – diese Aufgabe und wie sie zu bewältigen ist kommt in den Scrum-Master Seminaren zu kurz.

Um diese Lücke zu schließen bieten wir ein neues Seminar an. Es werden Grundlagen vermittelt und wichtige Fähigkeiten wie die Beobachtung eines Teams oder die Erkennung von Konflikten gemeinsam eingeübt. Das Seminar ist eintägig und findet im ersten Halbjahr an folgenden Ternminen statt.

Beginn jeweils um 10:00 Uhr. Anmeldung wie immer formlos per Mail oder Fax. Sie erhalten umgehend eine Bestätigung per Mail bzw. eine verbindliche Teilnahmebestätigung per Post.

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Reden statt Tippen

Januar 29th, 2010

Kommunikationswerkzeuge werden überschätzt. Der Knackpunkt ist nicht das Werkzeug sondern die Bereitschaft zur Kommunikation. Wenn die nicht vorhanden ist, nützt das beste Werkzeug nichts. Hier hatte ich zu dem Thema schon mal was geschrieben: Die Legende von Web 2.0 Werkzeugen. Ein Indikator für die Bereitschaft zur Kommunikation ist der Wille zum persönlichen Gespräch. Gespräch bedeutet Reden und Hören – Auge in Auge oder zumindest am Telefon. Manchmal ist es leichter kurz eine Mail zu schreiben. Es lohnt sich an die eigene Nase zu fassen und zu überlegen warum man in einer konkreten Situation lieber eine Mail schreibt statt zum Telefonhörer zu greifen.

Zwei PM Blogger Kollegen haben sich diese Woche ebenfalls mit diesem Thema befasst. Andreas Heilwagen schreibt über Mails, die scheinbar nicht ankommen Wo bleibt die Antwort auf meine Mail und Bas de Baar befasst sich mit dem “besten Tool”: The Best Communication Tool.

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Tooltipp zum Wochenanfang

Januar 25th, 2010

Manchmal stolpert man über kleine Software-Tools mit großer Wirkung. Auf zwei möchte ich heute hinweisen, die in Kombination das Blogger-Forum-Kommentier Leben erheblich leichter machen können.

Das Erste ist PhraseExpress. Das ist nicht mehr und nicht weniger als ein konfigurierbarer Textbausteinkasten, der über frei definierbaren Tastaturkürzeln Textbausteine in allen ! Anwendungen zur Verfügung stellt – völlig egal ob man im Browser ein Formular ausfüllt, in Word einen Brief schreibt oder in Eclipse Code editiert. Besonders angetan hat es mir die Möglichkeit die Textbausteine hierarchisch in Ordnern zu organisieren. Tastenkürzel lassen sich auch für Ordner vergeben. Wird ein so definiertes Kürzel eingegeben erscheint neben dem Cursor ein kleines Popup, aus dem die Textbausteine, die in diesem Ordner liegen ausgewählt werden können – eine kurze Auswahl mit den Pfeiltasten und der entsprechende Baustein ist eingegeben.

Richtig gut wird es aber erst in Kombination mit dem Firefox Add-on it´s all text. Dieses Add-on ermöglicht aus einem Formularfeld im Browser einen definierbaren Editor aufzurufen in dem dann der Text wesentlich komfortabler geschrieben werden kann als in der kleinen Textarea. Wird der Editor geschlossen, wird der Text in das Formular zurück gegeben. Z.B. beim Schreiben von Kommentaren ist das ein echter Segen.

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Projekte leiden, leiten oder managen

Januar 15th, 2010

Projekte leiten hat manchmal etwas von “Projekte (er)leiden”. Die Arbeit eines Projektleiters bzw. Projektmanagers ist nicht immer leicht – darum soll es heute aber nicht gehen. Es mag nach begrifflicher Erbsenzählerei klingen, ich möchte heute dennoch zwischen Projektmanagement und Projektleitung differenzieren. Sicherlich hört sich Management moderner und cooler an als Leitung, trotzdem bevorzuge ich inzwischen den Begriff der Leitung.

Management hat von der begrifflichen Bedeutung viel mit Verwaltung und Steuerung nach Parametern zu tun. Die Überhöhung des Manager-Begriffs im deutschen Sprachraum hat keine deckungsgleiche Entsprechung in der Herkunftssprache. Im englischen Sprachraum gibt es auch den Facility Manager den man in Deutschland vielleicht Hausmeister nennen würde. Sicher ist die Übersetzung etwas überzogen, dennoch zeigt sie auf, dass der Begriff Management ursprünglich anders verwendet wurde. Ein anderes Beispiel wäre das “Human Resource Management (HRM)” das sich treffend mit Personalverwaltung übersetzen lässt. HRM und Hausmeisterei sind verwaltende Tätigkeiten manchmal mit einem gewissen Machtanspruch in der Regel aber ohne inspirierend, visionären Vorbildcharakter. Ein guter Manager soll seinen Job im Rahmen gewisser Regeln und Parameter machen, die Vermittlung der inspirierenden Visionen gehört nicht unbedingt zu seinen Aufgaben. Nicht umsonst gibt es im Englischen noch den (ergänzenden) Begriff des Leaders bzw. der Leadership. Ein Blick auf die Wortherkunft weist in die gleiche Richtung:

Wikipedia: Die etymologische Wurzel des Begriffs Management ist nicht vollständig geklärt. Als mögliche Wurzeln kommen infrage lateinisch manus agere, an der Hand führen oder mansionem agere, das Haus (für den Eigentümer) bestellen

Die inspirierenden, begleitenden und manchmal sorgenden Aspekte der Arbeit, die in Projekten notwendig sind, stecken hingegen in dem Begriff der Leitung schon mit drin vgl. auch Wikipedia: Leitung. Das Grimm´sche Wörterbuch liefert folgende Bedeutung:

… immer tritt bei ihm das bestimmen einer richtung und eines zieles für einen weg hervor, wobei dieses gewöhnlicher durch persönliche führung als durch bestimmung aus der ferne, durch befehl oder beschreibung gedacht wird.

Den Weg nicht nur aus der Ferne weisen sondern den Weg mitgehen, das ist meine Vorstellung von Projektleitung. Das heißt nicht, dass ich den enger verstandenen Begriff des Managements ablehne. Projektleitung erfordert immer auch Projektmanagement oder anders formuliert, ein reines Verwalten reicht nicht um Projekte zum Erfolg zu führen.

Noch ein Vergleich zum Schluss. Es gibt den ab genudelten Spruch “Kunst kommt von Können …”. Demnach wäre gut beherrschtes Handwerk Voraussetzung für Kunst. Mathematisch gesprochen wäre es eine notwendige aber nicht hinreichende Voraussetzung. Mit anderen Worten “Handwerk alleine mach noch keine Kunst”. Projektleitung ist vielleicht mit Kunsthandwerk vergleichbar. Keine reine Kunst in freier Gestaltung, sondern etwas inspirierendes, das auf einem Management Fundament aufbaut.

P.S. seit heute steht in der Titelzeile auch “teamorientierte Projektleitung”.

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Projektgedanken zwischen den Jahren

Januar 4th, 2010

Die Zeit “zwischen den Jahren” dauerte früher bis zum 6. Januar, in diesem Sinne ist es noch nicht zu spät kurz auf einige Themen des vergangenen Jahrs zurückzublicken. Die Auswahl der Themen ist natürlich höchst subjektiv. Ganz allgemein fiel mir auf, dass für Leitung und Management von Projekten nach wie vor kein goldener Weg gefunden wurde. Das verwundert mich nicht im Geringsten, da ich der festen Überzeugung bin, dass es diesen goldenen Weg nicht gibt. Genau so wenig gibt es m.E. das beste Werkzeug. Was in einem Projekt gut funktioniert kann im nächsten zur Katastrophe führen. Dementsprechend habe ich mir folgenden Satz hinter die Ohren geschrieben.

Nimm die Methoden und Werkzeuge mit denen die wichtigen Menschen im Projekt arbeiten können und wollen.

Ist Projektmanagement Kunst, Wissenschaft oder ein Handwerk – meiner Ansicht nach von allem ein wenig. Kunst und Wissenschaft sollten auf handwerklichem Können basieren. Handwerk allein reicht jedoch nicht. In Projekten müssen Menschen in einem neuen Kontext zusammen arbeiten und ein Ergebnis abliefern. Projektleitung hat daher zwangsläufig etwas mit Motivation, Führung, Moderation und Konfliktlösung zu tun. Reines PM-Handwerk hilft hier nicht weiter. Projektleitung beinhaltet meistens auch Personalführung. Da Projektleiter selten disziplinarische Vorgesetzte sind und Interessenskonflikte zwischen Projekt und Organisation meist unausweichlich sind wird die Führungsaufgabe noch schwieriger als sie es ohnehin schon ist. Der Begriff “leadership without power” bringt dieses Dilemma gut auf den Punkt. Mein Fazit:

Projektleitung hat viel mit kooperativer und motivierender Führung zu tun. Die Projektleitung ist für die Kooperation im Projekt verantwortlich. Diese Kooperation muss mehr sein als eine Anhäufung von Einzelkompetenzen.

Agil vs. klassisch bzw. “Wie lassen sich beide Ansätze integrieren oder zusammenführen?” Diese Frage wurde vielfältig diskutiert und taucht auch in unterschiedlichen Formulierungen immer wieder aufs Neue auf. Die Debatte “Festpreise in agilen Projekten” sehe ich im gleichen Zusammenhang. Wenn ich meine obenstehende Aussage über den Königsweg ernst nehme, muss ich den gemeinsamen Kern erfolgreicher Projekte finden. Klarheit der Vision und der Projektziele sind unbestritten wichtige Erfolgsfaktoren. Alle methodischen Ansätze bemühen sich auf unterschiedliche Weise diese Klarheit herzustellen. Manchmal hilft es jedoch auf die zwei einfachen W-Fragen zurück zu greifen. Was und Warum? Wenn das “Was” klar, gut dokumentiert und allen bekannt ist, ist ein wichtiger Schritt getan. Wenn dann noch geklärt ist, warum das “was” getan werden soll, lösen sich ggf. vorhandene Widersprüche leichter auf. Die Motivation das Projekt durchzuführen unterscheidet sich bei den so genannten Stakeholdern meistens ganz erheblich. Dementsprechend kann es auf die Frage “Warum?” mehrere Antworten geben.

“Was” und “Warum” sind nicht das gleiche. Auf die Frage “Warum” gibt es in der Regel eine Reihe von Antworten.

Für 2010 wünsche ich mir, dass der Gedanke des “Hausverstands im Projektmanagement” weiter Fuß fasst. Und ich wünsche allen Lesern ein gutes Jahr mit vielen erfolgreichen Projekten.

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Sinnstiftende Weihnachten

Dezember 24th, 2009

Es ist schwierig gute Wünsche für Weihnachten zu formulieren – zwischen christlicher oder anderer religiöser Bedeutung, zwischen Konsum und Familienfest. Jede(r) verbindet mit Weihnachten seine eigene Vision. Also wünsche ich, dass jede(r) einen wirklichen Sinn im Weihnachtsfest finden möge. Das Wort “wirklich” hängt mit dem Wort “wirken” zusammen – ein wirklicher Sinn gibt Kraft und Hoffnung wirkungsvoll zu handeln. Das ist zugleich ein guter Wunsch für das bald beginnende neue Jahr. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein sinnstiftendes Weihnachsfest.

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Muppetshow oder Bootcamp – Du und Dein Team

Dezember 4th, 2009

Bas de Baar schreibt heute über die Einstellung des Projektmanagers zu seinem Team. Er stellt Fragen in Form von Metaphern. Eine – die Muppet Metapher (Statler und Waldorf) – gab dem Beitrag den Namen. Teamleitung wie Statler und Waldorf, das heißt gelegentliche bissige Kommentare von außen ohne sich zu beteiligen. Oder wie ein Drill Instructor …

Lesenswert: You And Your Team: Drill Instructor Or The Muppets?

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